Das Erwachen an jenem Morgen war schwer. Natascha verbrachte eine schlaflose Nacht in ihrem gemütlichen, warmen Schlafzimmer.

Der Morgen begann schwer. Gisela hatte eine schlaflose Nacht in ihrem gemütlichen, warmen Schlafzimmer verbracht. Der heftige und ungerechte Streit mit ihrem Mann Markus hatte sie zutiefst erschüttert. Es ging darum, dass Markus die Wohnung verkaufen und das Geld in ein dubioses Geschäft stecken wollte einen vermeintlich lukrativen Brandy-Import aus Georgien.

Gisela stand auf, trank eine Tasse starken Kaffee und packte Markus’ Sachen in einen großen Reisekoffer. Erst dann bemerkte sie, dass sein Pass fehlte.
Aha, er ist also doch alleine gegangen. Umso besser, murmelte sie, während heiße Tränen unaufhaltsam über ihre Wangen rollten.

Markus hatte schon öfter nach jedem Streit damit gedroht, sie zu verlassen. Doch irgendwie hatte es sich immer wieder eingependelt, und sie waren weiter zusammengeblieben. Während Gisela inzwischen als Filialleiterin in einem Einkaufszentrum arbeitete, hangelte sich Markus von einem zweifelhaften Job zum nächsten, immer auf der Suche nach dem großen Glück.

Dann kam er mit dem genialen Plan, Brandy in großen Mengen aus Georgien zu importieren. Ein örtlicher Schnapshersteller sollte ihn abfüllen, und Markus wollte ihn dann in kleinen Läden vertreiben. Alles sei bereits geregelt, behauptete er. Obwohl er beteuerte, es gäbe Gutachten und der Betrieb sei einverstanden, lehnte Gisela strikt ab. Das Ganze roch nach Betrug.

Dazu kam, dass diese Brandy-Lieferung eine horrende Summe kostete Geld, das sie nicht hatten. Also sollte die Wohnung verkauft werden. Darum war der Streit eskaliert.

Die Wohnung hatte Gisela von ihren Eltern geerbt. Natürlich weigerte sie sich, sie zu verkaufen wer würde dann für sie sorgen? Markus nannte sie eine geizige Spielverderberin, es kam zum Krach, und er verschwand. Gisela wusste sogar, wohin: zu seiner Ex-Frau Claudia.

Claudia hatte sich früher von Markus getrennt, war dann aber plötzlich wieder aufgetaucht mit einem reichen neuen Mann, zwei Kindern und einer eigenen Wohnung. Sie hatte angefangen, Markus anzurufen, ihn zu sich einzuladen. Er ging hin, angeblich aus Nostalgie. Gisela hatte immer das Gefühl, wenn da nicht die Kinder gewesen wären, wäre er längst zu Claudia gezogen.

Doch jetzt war da weder Eifersucht noch Wut. Nur stumpfe Gleichgültigkeit. Markus war weder ein guter Ehemann noch ein richtiger Mann gewesen. Immer tat er so, als würde er sich abrackern, aber in Wirklichkeit suchte er nur nach einer schnellen Geldquelle. Nun gut dann viel Glück. Soll sich doch Claudia an seinem windigen Geschäft beteiligen.

Gisela wischte sich die Tränen weg, atmete tief durch und beschloss, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie würde keine Energie mehr an Markus und seine verrückten Ideen verschwenden. Die Wohnung blieb ihr, und ihre Zukunft lag in ihren eigenen Händen. Sie griff zum Telefon und rief ihre langjährige Freundin Birgit an, die in einer großen Anwaltskanzlei arbeitete.

Birgit, ich brauche Hilfe, sagte sie entschlossen. Markus ist weg, und ich will die Scheidung einreichen. Außerdem muss geprüft werden, ob er mich in irgendwelche Schulden oder Betrügereien verwickelt hat.

Birgit legte sofort los. Nach ein paar Tagen stellte sich heraus, dass Markus tatsächlich versucht hatte, seinen Brandy-Deal durchzuziehen. Er hatte bereits fragwürdige Verträge mit georgischen Partnern unterzeichnet und sogar versucht, die Wohnung zu beleihen. Doch ohne Giselas Unterschrift war das alles wertlos.

Noch schlimmer: Markus hatte den Wagen seines Vaters verpfändet, um einen Vorschuss zu bekommen. Wie er den alten, hartnäckigen Mann dazu gebracht hatte, blieb ein Rätsel. Ihr Schwiegervater, ein ehemaliger Soldat, war verschlossen und misstrauisch. Was Markus ihm wohl vorgelogen hatte, um an den BMW zu kommen?

Währenddessen hatte Markus, überzeugt von seinem genialen Plan, tatsächlich bei Claudia Unterschlupf gefunden. Geschmeichelt von seiner Aufmerksamkeit, unterstützte sie ihn sogar und investierte ihre Ersparnisse Geld, das sie ihrem Ex-Mann abgerungen hatte. Die Kinder schickte sie zu ihren Großeltern, damit sie ungestört ihren Status quo wiederherstellen konnte.

Markus versprach ihr goldene Berge und begann, sein Geschäft oder besser: seinen Schwindel voranzutreiben. Er lieh sich Geld von leichtgläubigen Bekannten und zahlte eine beträchtliche Summe für den Brandy. Dann wartete er auf die Lieferung.

Doch es stellte sich heraus: Die Brandy-Fässer existierten nicht. Die Partner aus Georgien waren verschwunden, und die Schnapsbrennerei tat so, als hätte sie nie von dem Deal gehört. Markus steckte bis zum Hals in Schulden, hatte keinen BMW mehr und bekam Klagen von allen Seiten auch von Claudia.

Die arme Frau warf ihn wutentbrannt hinaus. Markus versuchte, zu Gisela zurückzukehren, doch sie hatte bereits die Schlösser ausgetauscht und die Scheidung eingereicht. Am Ende blieb er mit nichts zurück: keine Familie, kein Geld, ruiniertes Ansehen. Bald darauf wurde er wegen Betrugs verhaftet und landete im Gefängnis.

Gisela dagegen blühte auf, befreit von der toxischen Ehe. Sie nahm einen kleinen Kredit auf nicht für windige Geschäfte, sondern um ihr eigenes Geschäft für Naturkosmetik zu eröffnen. Ihre Erfahrung als Filialleiterin half ihr, und bald konnte sie den Kredit zurückzahlen. Mit Birgits Hilfe hatte sie alles richtig gemacht und fühlte sich endlich sicher und unabhängig.

Nur eine Frage ließ ihr keine Ruhe: Wie hatte sie sich nur in einen Mann wie Markus verlieben können? Was hatte sie damals geritten? Jugend, Unerfahrenheit? Wahrscheinlich.

Sie hatte ihn bei ihrer Mutter auf der Arbeit kennengelernt. Damals war sie 25, ihre Studienfreunde längst weg, und neue Bekanntschaften ließen auf sich warten. Also nahm ihre Mutter sie mit zur Weihnachtsfeier in der Hoffnung, sie würde einen der netten, lebensfrohen Kollegen treffen. Stattdessen verliebte sie sich in den düsteren, verschlossenen Markus, der gerade seine Scheidung hinter sich hatte.

Er wirkte erwachsen, gepflegt, attraktiv. Mit 33 hatte er beruflich nicht viel erreicht und träumte davon, sich selbstständig zu machen. Für andere zu arbeiten, reicht mir, sagte er der ahnungslosen Gisela, als sie anfingen, sich zu treffen.

Ihre Mutter warnte sie: Bitte, mein Kind, verlieb dich nicht ernsthaft in diesen Mann.
Gisela verstand nicht, warum. Er hat doch ernsthafte Absichten! Dass er älter ist, ist doch gut ich will keine Jungs, sondern einen reifen Partner.
Du kennst deinen Vater kaum, sagte ihre Mutter sanft. Vielleicht suchst du unbewusst eine Vaterfigur.

Doch Gisela hörte nicht zu. Sie war schon verliebt.

Drei Monate später starb ihre Mutter wahrscheinlich wusste sie schon, dass sie krank war, doch sie hatte es verheimlicht, um Gisela zu schützen.

Markus stand ihr in dieser Zeit bei. Er zog zu ihr, und sie ließ es zu. In ihrer Trauer dachte sie, ohne ihn würde sie es nicht schaffen. Ein Jahr später heirateten sie doch Markus hatte längst seinen Job gekündigt, um sein Glück zu suchen. Dann verlor Gisela ein Kind, das sie nicht austragen konnte. Für sie war es eine Tragödie. Markus dagegen sagte nur: Dann war es wohl nicht sein Schicksal, geboren zu werden.

Zynisch. Gisela trauerte, doch er begann, abends wegzubleiben. Und dann kam alles, wie es kommen musste.

Jetzt, in ihrem Büro, blickte Gisela aus dem Fenster und lächelte. Sie dachte an alles, was sie durchgemacht hatte, und an ihre Mutter. Wie recht sie doch gehabt hatte.

Doch jetzt war ihr Leben voller Möglichkeiten. Markus saß irgendwo im Gefängnis und bereute sicher seine Entscheidungen doch das war ihr egal. Sie baute sich ihre Zukunft auf, und sie war hell.

Am nächsten Tag, einem warmen Sonntag, kaufte Gisela einen prächtigen Strauß roter Rosen die Lieblingsblumen ihrer Mutter und fuhr zum Friedhof. Vögel zwitscherten in den Bäumen, und auf dem Grabstein lächelte ihr die junge Frau entgegen, die sie nicht vor ihrem Fehler hatte bewahren können.

Gisela lächelte zurück und flüsterte: Alles ist gut jetzt, Mama. Mach dir keine Sorgen mehr um mich.

Die Rosen wiegten sich im Wind, als ob ihre Mutter antwortete. Plötzlich erinnerte Gisela sich an ihre letzten Worte:

Mein Schatz, ich liebe dich. Ich bin immer bei dir direkt in deinem Herzen. Wenn es schwer wird, leg deine Hand darauf, und du wirst mich spüren. Weine nicht um mich, ich bitte dich darum.

Gisela tat es. Sie spürte ihren Herzschlag, ihre Hand wurde warm, und Tränen liefen über ihr Gesicht. Sie wusste: Sie würde ihre Mutter nie wieder enttäuschen. Keine bitteren Fehler mehr damit ihr da oben nicht weh um sie tat.

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Das Erwachen an jenem Morgen war schwer. Natascha verbrachte eine schlaflose Nacht in ihrem gemütlichen, warmen Schlafzimmer.
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