– Es ist ja nichts Schlimmes passiert! Nun, das kommt bei Männern vor – sie lassen sich hinreißen und können nicht rechtzeitig aufhören. – Sei weiser.

Am Samstagmorgen brachte Nina ihren Sohn zu ihren Eltern. Sie hatte vereinbart, dass Tim eine Weile bei ihnen bleiben würde.

Zurück in der Wohnung holte Nina Kartons vom Balkon und begann, ihre Sachen zu packen. Zuerst im Kinderzimmer. Sie sortierte Kleidung, Spielzeug und Bücher, verklebte die Kartons mit Klebeband und beschriftete sie. Bald würden nur noch die Möbel übrig bleiben, die sie nicht mitnehmen wollte.

Gegen zwölf Uhr klingelte das Telefon. Nina warf einen Blick auf den Bildschirm ihre Schwiegermutter.

*Guten Tag, Frau Schneider.*

*Guten Tag, Nina. Markus hat mir alles erzählt. Ich verstehe, dass du verletzt bist. Aber vielleicht solltest du es dir noch einmal überlegen? Warte, beruhige dich, denk nach. Muss die Familie wirklich sofort zerbrechen?*, fragte die Schwiegermutter.

*Ich bin es nicht, die die Familie zerstört, sondern Markus*, antwortete Nina.

*Nina, ich nehme ihn nicht aus der Verantwortung! Aber vielleicht kannst du ihm vergeben? Nur dieses eine Mal?*

*Von welchem ersten Mal reden Sie? Ihr Sohn trifft sich seit einem halben Jahr mit seiner Kollegin, er betrügt mich. Und Sie sagen, ich soll vergeben? Nein*, sagte Nina entschlossen.

*Nina, bitte denk noch einmal nach. Du nimmst Tim doch seinen Vater weg. Und Markus liebt seinen Sohn so sehr!*

*Frau Schneider, Markus kann Tim weiterhin sehen, ich werde ihn nicht daran hindern. Aber mit Ihrem Sohn will ich nicht mehr zusammenleben. Lassen Sie uns das Thema beenden ich packe meine Sachen und habe keine Zeit.*

Nina packte die letzten beiden Kartons und ging ins Schlafzimmer, um ihre Kleidung in Koffer zu legen.

Die Schwiegermutter erschien genau eine Stunde später in der Wohnung. Irgendwie glaubte sie, Nina im persönlichen Gespräch doch noch umstimmen zu können.

Das Gespräch drehte sich im Kreis:

*Nina, am Ende ist doch nichts Schlimmes passiert! Männer sind halt so manchmal lassen sie sich verführen, können nicht rechtzeitig stoppen.*

*Sei doch klüger. Willst du deinen Mann wirklich einer anderen Frau überlassen? Sie wird denken, sie hat dich besiegt! Kämpf um deine Familie!*

*Frau Schneider, Markus ist kein Wanderpokal, um den ich kämpfen muss! Soll ich etwa Julia zum Duell herausfordern? Oder in den Boxring steigen? Was hat sie damit zu tun? Wenn es nicht Julia wäre, wäre es Lisa oder Hannah.*

*Weißt du, ich verrate dir ein Geheimnis: Auch Mark Vater, Heinrich, hat in seiner Jugend gesündigt. Aber ich war klüger als du und habe die Familie zusammengehalten. Und sieh nur wir sind seit fast fünfunddreißig Jahren zusammen. Bald feiern wir Korallenhochzeit.*

*Und worin bestand Ihre Klugheit?*, fragte Nina spöttisch.

*Ich habe keine Szene gemacht. Im Gegenteil, ich war noch zärtlicher, kochte seine Lieblingsgerichte, interessierte mich für seine Arbeit. Ich habe mich auch um mich selbst gekümmert neue Frisur, abgenommen, ihn nach der Arbeit mit einem Lächeln empfangen*, erklärte die Schwiegermutter.

*Manchmal wusste ich genau, dass er gerade von seiner Geliebten kam, und ich hätte ihm am liebsten die Pantoffeln hingeworfen. Oder die Pfanne genommen und ihm eins übergebraten. Aber ich habe geschwiegen und gelächelt. Und sieh ich habe meinen Mann behalten. Mein Sohn hatte einen Vater, und mein Enkel hat einen Opa.*

*Wissen Sie, Frau Schneider, Sie sind eine bemerkenswerte Frau. Ich könnte das nicht. Ich habe leider ein zu stark ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Was Sie mir vorschlagen, ist für mich so, als würde ich aus dem Mülleimer essen*, erwiderte Nina.

Die Schwiegermutter fuhr auf, stand abrupt auf und verließ wortlos die Wohnung.

Nina packte weiter. Sie wusste, dass dies noch nicht das Ende war sowohl Markus als auch seine Mutter würden ihr noch Nerven kosten. Deshalb beeilte sie sich, die Wohnung zu verlassen.

Am nächsten Tag, einem Sonntag, kam ihr Vater. Gemeinsam luden sie Koffer und Kartons in den Transporter und fuhren los.

Unterwegs bat Nina ihren Vater, kurz am Haus der Schwiegereltern anzuhalten, um ihnen die Wohnungsschlüssel zurückzugeben.

*Stell dir vor*, erzählte Nina am nächsten Tag ihrer Freundin Katharina, *gestern hat meine Schwiegermutter eine Stunde lang versucht, mich zu überreden, Markus wegen seiner kleinen Ausrutscher zu vergeben und nicht zu scheiden.*

*Und welche Argumente hatte sie?*, fragte Katharina.

*Die üblichen: Du nimmst dem Kind den Vater, alle Männer betrügen, Frauen müssen klüger sein. Dann teilte sie mir mit, wie sie damals ihren Mann zurückgewonnen hat.*

*Und wie?*

*Ich werds dir nicht erzählen, aber glaub mir, es war der reinste Wahnsinn. Du würdest so etwas nie tun.*

*Hast du schon die Scheidung eingereicht?*

*Ja, schon am Freitag*, antwortete Nina.

*Endlich bist du diesen Casanova los. Es war schwer mitanzusehen, wie dieser Egoist sein Unwesen trieb*, sagte Katharina.

*Was meinst du mit schwer mitanzusehen? Wusstest du etwa von Julia?*, fuhr Nina auf. Katharina senkte den Blick, zögerte einen Moment. *Ich habe es geahnt, aber ich wollte dir nicht das Herz brechen. Du warst so glücklich, und ich dachte, vielleicht hält es ja.*
Nina atmete tief durch, lehnte sich zurück. *Schon gut. Jetzt weiß ich wenigstens, warum ich das alles allein durchstehen musste.*
Sie starrte aus dem Fenster, wo der Herbstwind die letzten Blätter von den Bäumen riss. *Aber ich bin nicht mehr allein. Und ich werde nicht mehr schweigen. Der Herbstwind trug die Blätter über den leeren Hof, als Nina zum letzten Mal die Tür hinter sich zuzog. In ihrer Hand hielt sie den Schlüsselbund, den sie in den Briefkasten der Schwiegereltern gelegt hatte. Sie stieg in den Wagen, legte eine Hand auf das Lenkrad, atmete tief ein und lächelte zum ersten Mal seit Wochen. Das alte Leben war vorbei. Das neue hatte gerade begonnen.

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