So brauchst du wirklich nicht viel

Also, du brauchst gar nicht viel, knurrte Lena, während sie Dimo fest in die Augen starrte. Wie praktisch das ist! Ich spare jeden Cent für mich selbst, laufe herum, als wüsste ich nicht, wer ich bin, und du willst zu deinem Geburtstag ein schickes Restaurant in Berlin buchen? Ist das nicht ein bisschen übertrieben?

Lena, es ist doch ein Jubiläum, erwiderte Dimo, das Glas in der Hand, es soll unvergesslich werden. Nicht jeden Tag wird man dreißig.

Und vor einem Monat, was haben wir gemacht? So ein ScheinFeierabend? Ich habe zu Hause ordentlich gefeiert und du hast nichts bemerkt.

Lena blickte düster auf den Tisch, die Hände seitlich an den Körper gepresst. Wut loderte in ihr. Es ging nicht nur darum, dass Dimos Wunsch mehrere tausend Euro kosten würde. Auf einmal fühlte sich Lena wie eine machtlose Haushälterin, als wäre sie nur eine arme Verwandte im eigenen Heim.

Und Dimo bestätigte nur ihre Annahme.

Du hast doch selbst gesagt, du brauchst nicht viel!

Lenas Blick erstarrte, die Brauen zuckten nach oben. Ja, das war gesagt worden aber nicht aus einer guten Lebenslage heraus.

Genau, hauchte sie langsam. Ich habe gesagt, ich komme ohne neues Kleid aus, backe den Kuchen selbst, mache Maniküre und Pediküre ohne Kosmetiker. Weil ich endlich in meine eigene Wohnung ziehen will, Dimo! Nicht weil ich Armut liebe.

Dimo verzog unzufrieden die Lippen. Es schien, als wolle er das Wesentliche gar nicht verstehen. Er benahm sich wie ein launischer Teenager: Ich will das, Punkt. und ließ alles andere außen vor.

Du bist erst achtundzwanzig, dir liegt die ganze Zukunft vor dir. Ich habe ein runden Geburtstag ich will, dass das ein echtes Fest wird, kein langweiliges Beisammensein.

Lena senkte den Blick. Beisammensein genau das war es.

Sie erinnerte sich, wie sie eine ganze Woche lang das Menü für ihren eigenen Geburtstag zusammengestellt hatte, die Einkaufsliste akribisch abgearbeitet hatte. Gemüse kaufte sie im Sonderangebot etwas schlaff, aber noch essbar für den Salat. Sie jagte Aktionen, Gutscheincodes, verglich Preise in Discountern Der Kuchen kam nach einem InternetRezept, mit Sahne aus saurer Sahne und Kondensmilch. Nicht, weil Hausmannskost besser sei, sondern weil es günstiger war.

Trotz aller Sparmaßnahmen war der Geburtstag gelungen. Die Gäste lächelten, lobten die Salate, genossen die selbstgemachte Pizza. Auch Lena lächelte im alten Kleid, mit Nägeln in billigem transparentem Lack.

Das Geld, das ihr geschenkt wurde, deckte fast alle Ausgaben. Lena tat, als sei sie zufrieden. Doch später, allein in der Badewanne, brach sie in Tränen aus vor Selbstmitleid, vor Erschöpfung, vor der ständigen Notwendigkeit, sich auszuweinen: das Kleid, die Frisur, die Familienfeiern.

In den drei Jahren mit Dimo war Sparen zu ihrem zweiten Vornamen geworden. Sie wusste, wie man Cashback beim Brot rausholt, kaufte günstigen Schmelzkäse statt harten Schnittkäse und kannte den Unterschied zwischen echten Aktionen und leeren Versprechungen.

Kleidung? Was soll’s, Hauptsache sauber und ohne Löcher. All die Looks, Images und Marken waren für jemanden, der nach der billigsten Zahnpasta sucht, irrelevant. Nicht für jemanden, der endlich seine eigene vier Wände haben will.

Eine eigene Wohnung ist wichtig, stimmte Dimo zu. Dann wird man nicht mehr nach jeder Laune weggeschickt. Und du musst nicht die Hälfte deines Gehalts für Miete opfern.

Doch Dimos Beteiligung am Familienbudget beschränkte sich darauf, das Gehalt zu überweisen. Keine tieferen Gespräche, keine gemeinsame Planung. Es war das typische Bild von Paaren, die getrennte Finanzen führen und für Frauen, die für den Mutterschaftsgeld sparen, noch schlimmer. Dimo behandelte das Geld wie ein Jugendlicher, der alles für Chips und Cola ausgeben will.

Kein Wunder, dachte Lena, dass sie die Nebenkosten, den Nahverkehr, die Lebensmittel genau kalkulierte. Sie schnitt Ausgaben, um das für die Zukunft vorgesehene Konto zu füttern. Sie ließ sich von Studentenfriseuren die Haare machen, um im Budget zu bleiben. Manchmal ging es schief, aber immer billig.

Sie gingen langsam ihrem Ziel entgegen aber eher jeder für sich. Lena sprach nie mit Dimo über die Mühen, klagte nicht, schwieg, wenn er sich mittags eine Pizza bestellte, weil er zu faul für die Mensa war und sich etwas gönnen möchte.

Weißt du, Dimo ich brauche wirklich nicht viel, sagte Lena und wandte den Blick ab. Ein einfaches Maß an Respekt reicht. Ich mag das Sparen nicht, aber ich tue es für unsere gemeinsame Zukunft. Manchmal habe ich das Gefühl, wir haben überhaupt keine Zukunft.

Ich arbeite, schnaufte Dimo verärgert. Ich bringe Geld ins Haus. Was willst du noch? Habe ich kein Recht auf ein Fest?

Er merkte, dass kein Kompromiss mehr in Sicht war, zog sich ins Schlafzimmer zurück. Lena blieb allein zurück, in ihrem günstigen Morgenmantel, das einzige Licht der Deckenlampe flackerte, und Gedanken an die Hypothek, die sie so langsam nie erreichen würden.

Ihr Herz war zerrissen, nicht nur von Schmerz, sondern von Zweifel. Vielleicht hatte sie überreagiert? Vielleicht hatte Dimo recht?

Am nächsten Tag traf sie sich mit ihrer Freundin Rieke, um Rat zu suchen.

Ich sehe, du bist nicht nur wegen der Fliesen hier, bemerkte Rieke, als sie Lenas bedrückte Miene wahrnahm. Was ist los?

Lena seufzte, legte die Hände auf den Tisch und schilderte die gestrige Szene. Sie erklärte, wie schmerzlich es war, wenn ein gemeinsamer Traum nur von einem getragen wurde, und wie Dimo seinen runden Geburtstag über ihren eigenen stellte.

Du bist ein kluges Köpfchen, grinste Rieke schließlich. Also sparst du für dich und erwartest, dass er dich auf Händen trägt?

Wir sparen ja, begann Lena.

Ja, ja, schnitt Rieke ihr ins Wort. Du sparst, er gibt aus. Muss er überhaupt mal auf etwas verzichten? Versteht er, wie schwer das für dich ist? Hat er dir jemals Danke gesagt?

Lena zuckte mit den Schultern. Ihr Mann war nicht undankbar, er glaubte einfach, das sei normal, dass der Alltag von selbst läuft.

Weiß er, was es kostet, eine Frau zu sein? Maniküre, Pediküre, Haare, Waxing, gute Unterwäsche, nicht die alten Unterhosen deiner Oma Das ist erst der Mindeststandard. Bist du für ihn eine Partnerin oder nur die Frau im abgewetzten Morgenmantel, die alles plant?

Hör doch, versuchte Lena zu protestieren, aber ohne wirkliche Überzeugung.

Ich höre nicht auf, sagte Rieke. Warum kritisiert er das Restaurant? Weil er weiß, dass du dich trotzdem verbiegen wirst. Du wird deine Unterwäsche bis zum Loch tragen, deine Haare mit billiger Farbe färben und trotzdem nachgeben. Und er fühlt sich wie ein König, weil das Jubiläum im Restaurant stattfindet.

Was soll ich jetzt tun?, fragte Lena verzweifelt.

Hör auf, diese Angsthase zu sein. Und such dir einen Liebhaber mit Wohnung, schlug Rieke halb im Scherz vor. Das löst alles.

Rieke!

Rieke winkte ab. Nur ein BackupPlan. Hör auf, an dir zu sparen. Er will ins Restaurant? Dann lass es zu. Aber du brauchst ein Kleid, Schuhe, eine passende Clutch, Styling und goldene Ohrringe. Nicht im Jogginganzug mit durchgerissenen Knien dort auftauchen.

Das Kleid ist noch eine Sache. Ich will ja noch in mein AbschlussballKleid rein.

Lena, hörst du mich? Schluss mit dem Sparen an dir selbst!

Lena seufzte. Der Wechsel war schwer, aber sie erkannte, dass Rieke etwas Wahrheit hatte.

Na gut, ich versuche es.

Am Morgen meldete sie Dimo, dass sie einen Termin im Salon buchen wolle Maniküre, Haarschnitt, Styling. Er blickte überrascht, zuckte die Schultern.

Später zeigte sie ihm die Schuhe, die ihr gefallen hatten.

Schau, schwarz, universell, passen fast zu jedem Kleid und kann später noch getragen werden.

Achttausend Euro?! Lena, für das Geld könnte ich den Computer neu installieren!

Was soll ich machen? Es ist mein Tag, ich muss schön aussehen. Das Restaurant ist ja für dich.

Ich habe schon ein Boutique im Blick. Fahr mich hin, wir wählen das Kleid zusammen.

Dimo brummte, widersetzte sich nicht. Vielleicht hoffte er, sie würde doch umdrehen. Doch sie änderte nicht ihre Meinung. Am Abend ließ sie die Ohrringe vor ihm liegen.

Wie findest du die? Sie sind echt schick und kaum fünfzigtausend Euro, andere kosten dreißig. Dazu eine passende Clutch

Dimo, sichtlich nervös, schwitzte leicht und murmelte:

Vielleicht lassen wir das Restaurant lieber zu Hause. Das reicht.

Lena lächelte nur. So entschieden sie, das Fest still und familiär zu begehen. Haben sie sich versöhnt? Nicht ganz. Hat er etwas verstanden? Vielleicht. Aber Lena wusste jetzt klar: Solange du dich selbst nicht respektierst, wird dich niemand respektieren.

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