Vor langer Zeit, in einer beschaulichen Kleinstadt in Bayern, ereignete sich eine seltsame Geschichte.
Hör zu! Ich bin jetzt reich, und es ist Zeit für uns, uns scheiden zu lassen, verkündete der Mann mit hochmütiger Stimme. Er ahnte nicht, welche Folgen seine Worte haben würden.
Du begreifst gar nicht, wie sehr mich deine Mittelmäßigkeit und Langweiligkeit jetzt abstoßen, fuhr Andreas fort, seine Augen funkelten vor Verachtung. Ich brauche keine graue Maus ich verdiene Besseres!
Glaubst du wirklich, Geld macht dich zum besseren Menschen?, erwiderte Greta, ihre Stimme zitterte vor Schmerz, während sie die Tränen zurückhielt.
Der Abend war bereits hereingebrochen, als das warme Licht der Küche den Raum erfüllte. Greta kochte gerade Abendessen, der Duft von frischer Kartoffelsuppe und selbstgebackenem Brot lag in der Luft.
Plötzlich stürmte Andreas herein, ohne die Schuhe auszuziehen, und wedelte mit einem Briefumschlag.
Greta! Greta! Du wirst es nicht glauben!, rief er begeistert. Ich habe eine Erbschaft von einem entfernten Verwandten erhalten! Jetzt bin ich reich!
Greta drehte sich um und wischte sich die Hände an der Schürze ab.
Das ist wunderbar, Andreas, antwortete sie ruhig. Aber wer war dieser Verwandte? Wir kannten doch niemanden
Wen interessiert das!, lachte Andreas und küsste sie flüchtig auf die Wange. Jetzt können wir uns alles leisten, was wir wollen!
Greta runzelte die Stirn, doch bevor sie etwas sagen konnte, begann Andreas bereits von teuren Autos und luxuriösen Reisen zu schwärmen.
Doch am nächsten Morgen war aus dem freundlichen Ehemann ein anderer Mensch geworden. Er blickte Greta mit Geringschätzung an, befahl herum und verlangte ständig Aufmerksamkeit. Als hätte er nicht nur Geld, sondern auch einen neuen Charakter geerbt.
Weißt du, Greta, sagte er beim Frühstück, ohne sie anzusehen, jetzt, wo ich reich bin, müssen wir unsere Beziehung überdenken.
Greta erstarrte. Was meinst du damit?
Nun, ich bin jetzt auf einer ganz anderen Stufe, erklärte er, während er in sein Brötchen biss. Und du du bist mir zu gewöhnlich.
Greta war fassungslos. Sie traf sich mit ihren besten Freundinnen, Lotte und Hilde, in einem gemütlichen Café.
Mädels, ihr werdet es nicht glauben!, begann sie mit zitternder Stimme. Andreas hat eine Erbschaft bekommen und hält mich plötzlich für nicht mehr gut genug!
Lotte schnaubte verächtlich. Das ist ja ein Ding! Wer war dieser ominöse Verwandte überhaupt?
Hilde, nachdenklich wie immer, fragte: Und was wirst du tun?
Ich weiß es nicht, seufzte Greta. Er ist so unerträglich geworden.
Lotte schüttelte den Kopf. Vielleicht ist das nur eine vorübergehende Verrücktheit?
Hilde jedoch blickte ernst. Greta, wir lassen dich nicht im Stich.
Die Tage vergingen, und Andreas Verhalten wurde immer unerträglicher. Obwohl er das Geld noch nicht erhalten hatte, benahm er sich, als gehöre ihm die Welt.
Greta, wo ist mein Anzug?, brüllte er eines Morgens. Ich habe ein wichtiges Treffen!
Greta holte den Anzug und hängte ihn ordentlich an die Tür.
Können wir reden?, wagte sie zaghaft zu fragen.
Keine Zeit für belanglose Gespräche, wischte er sie ab.
Mit Tränen in den Augen traf sie sich erneut mit Lotte und Hilde.
Ich halte das nicht mehr aus, gestand Greta. Er behandelt mich wie eine Bedienstete.
Lotte verschränkte die Arme. Dieser Schuft! Du musst ihm die Stirn bieten.
Hilde legte beruhigend eine Hand auf Gretas Arm. Wir sind für dich da. Alles wird gut.
Doch Andreas Boshaftigkeit kannte keine Grenzen.
Du bist nur hinter meinem Geld her, warf er ihr eines Abends vor.
Gretas Herz brach. Sie hatte genug.
Am nächsten Tag offenbarten Lotte und Hilde ihr die Wahrheit.
Greta, wir müssen dir etwas gestehen, begann Lotte zögernd. Der Erbschaftsbrief war gefälscht. Wir haben das inszeniert, um Andreas wahren Charakter zu enthüllen.
Greta starrte sie ungläubig an. Das war alles eine Lüge?
Hilde nickte. Wir wollten sehen, wie er sich verhält, wenn er glaubt, reich zu sein. Und leider hat er sich als genau der Mensch erwiesen, den wir befürchteten.
Greta war wütend, verletzt aber auch erleichtert.
Als Andreas heimkehrte, erwartete ihn Greta mit kühler Entschlossenheit.
Ich weiß alles, sagte sie ruhig. Du hast dich selbst entlarvt.
Andreas erstarrte, dann explodierte er vor Wut.
Das ist absurd! Du glaubst diesen Lästermäulern mehr als mir?
Greta blieb standhaft. Du hast gezeigt, wer du wirklich bist. Und ich will dich nicht mehr in meinem Leben.
Mit einem letzten wütenden Blick packte Andreas seine Sachen und verließ das Haus.
Kaum war er weg, kamen Lotte und Hilde. Doch sie hatten noch eine Überraschung.
Greta, der gefälschte Brief war nur der Anfang, erklärte Lotte. Vor Wochen hat sich ein Anwalt aus der Schweiz gemeldet. Es gibt tatsächlich eine Erbschaft eine echte.
Gretas Augen weiteten sich. Was?
Hilde lächelte. Wir wollten sichergehen, dass Andreas dich nicht ausnutzt, bevor wir dir die Neuigkeit überbrachten.
Mit zitternden Händen rief Greta den Anwalt an. Minuten später strahlte sie.
Es stimmt! Ich bin tatsächlich reich!
Lotte und Hilde umarmten sie fest.
Auf ein neues Leben!, prosteten sie mit Sekt.
Greta lächelte durch Tränen. Zum ersten Mal seit langem fühlte sie sich frei und bereit für alles, was kommen würde.







