Alex schaute zu Luda hinüber und beneidete sie zutiefst. Luda wurde aus dem Kinderheim geholt. Ihre neuen Mama und Papa regelten bereits die Papiere, und nun würde sie eine Familie haben. Luda erzählte von ihren Erlebnissen mit den neuen Eltern – vom Zoo, in dem Alex noch nie gewesen war, vom Puppentheater, wo Luda eine echte Hexe gesehen hatte, und von der Aprikosenmarmelade mit Kernen.

Jonas beobachtete Lina und war neidisch. Lina wurde aus dem Kinderheim geholt. Ihre neuen Eltern hatten schon die Papiere unterschrieben, und nun würde sie eine Familie haben. Lina erzählte von ihren Erlebnissen mit ihnen: vom Zoo, in dem Jonas noch nie gewesen war, vom Puppentheater, wo sie eine echte Hexe gesehen hatte, und von Marmelade Aprikosenmarmelade mit Kernen.

Jonas war fünf Jahre alt. So lange er denken konnte, hatte er im Kinderheim gelebt. Neue Kinder kamen und gingen. Als Elias verschwand, fragte Jonas Frau Müller:
Frau Müller, wo ist Elias?
Er ist nach Hause gefahren, zu seiner Familie, antwortete sie.
Was ist eine Familie?, bohrte Jonas weiter.
Eine Familie ist der Ort, an dem man dich immer erwartet und liebhat, erklärte Frau Müller.
Und wo ist meine Familie?, fragte Jonas.
Frau Müller seufzte nur, sah ihn traurig an und schwieg.

Seitdem fragte Jonas nie wieder nach Familie. Er hatte verstanden: Familie war etwas Wichtiges, etwas, das man unbedingt brauchte.
Als Lina zwei Tage lang verschwand und dann im schönen Kleid, mit frischer Frisur und einer neuen Puppe zurückkehrte, weinte Jonas. Niemand hatte ihn je mitgenommen. Er dachte, niemand wollte ihn.

Da betrat Frau Müller den Raum, brachte eine Jacke und eine Hose und sagte:
Jonas, zieh dich um. Gleich kommen Gäste.
Zu mir?, staunte Jonas. Wer denn?
Sie wollen dich kennenlernen.
Jonas zog sich an, setzte sich auf die Bank und wartete. Frau Müller nahm ihn an der Hand und führte ihn ins Besucherzimmer. Dort saßen ein Mann und eine Frau. Der Mann war groß, mit Bart und Schnurrbart. Die Frau war klein, zierlich und wunderschön wie eine Rose, dachte Jonas. Sie roch nach Blumen, hatte große Augen und dichte Wimpern.

Hallo, sagte die Frau. Ich bin Anika. Und du?
Jonas, antwortete er. Wer seid ihr?
Wir möchten deine Freunde sein. Und wir brauchen deine Hilfe, sagte Anika.
Welche Hilfe?, fragte Jonas und sah zu dem Mann.
Der kniete sich neben ihn und sagte:
Ich bin Tobias. Man hat uns erzählt, du kannst gut malen. Wir brauchen ein Bild von einem Roboter. Schaffst du das?
Ja, antwortete Jonas wichtig. Was für ein Roboter soll es sein? Ich kann alle Arten malen.

Tobias holte eine Tasche, zog ein Malbuch, Buntstifte und einen riesigen Roboter hervor. Der Roboter war neu, glänzend, mit funkelnden Teilen im Sonnenlicht. Jonas stockte der Atem so etwas Großes hatte er noch nie gesehen.
Wow, flüsterte er. Das ist doch Optimus Prime! Der Anführer der Transformers!
Gefällt er dir?, fragte Tobias.
Sehr!, rief Jonas begeistert.
Dann nimm ihn mit, mal uns was Schönes. Und währenddessen, lass uns plaudern wie Freunde.

Eine Stunde lang redeten sie über alles: was Jonas mochte, was nicht, seine Spielsachen, sein Bett, die zu dünnen Schuhe, in denen er draußen fror. Anika hielt seine Hand, Tobias strich ihm über den Kopf.

Dann kam Frau Müller.
Jonas, es ist Zeit, sagte sie. Gleich gibt es Abendessen.
Tobias schüttelte Jonas Hand. Wir kommen in einer Woche wieder. Schaffst du das Bild?
Ja. Aber kommt ihr wirklich?
Natürlich, sagte Anika, drückte ihn so fest, dass es knirschte. In ihren Augen standen Tränen.
Warum weinst du?, fragte Jonas.
Ich weine nicht, Schatz. Nur ein Staubkorn.

Frau Müller brachte Jonas zum Essen. Er aß schnell, rannte ins Zimmer, wo die Tasche mit dem Roboter lag, und betrachtete ihn fasziniert. Die Arme und Beine bewegten sich, der Kopf drehte sich. Er nahm das Malbuch und begann zu zeichnen.

Doch dann stürmten die Großen herein.
Wow!, rief Finn. Gib her!
Er griff nach dem Roboter, warf ihn hoch.
Lass ihn!, schrie Jonas. Der ist nicht meiner!
Natürlich nicht, lachte Finn. Hier ist alles gemeinsam.
Jonas riss an dem Roboter, Finn zog zurück ein Knacken, und Jonas hielt nur noch ein Bein in der Hand.

Er weinte, so bitter war es. Tränen verschleierten seine Sicht. Er stürzte sich auf Finn, der ihm die Reste des Roboters ins Gesicht schleuderte. Blut lief aus Jonas Nase. Frau Müller wusch es ab, stopfte Watte hinein.
Schämst du dich nicht? Spielzeug ist hier für alle. Jetzt ist er kaputt.
Er war nicht meiner!, schluchzte Jonas. Ich sollte ihn nur malen!
Frau Müller lächelte. Dann mal weiter.

Wie sollte er jetzt malen? Nach drei Versuchen stellte er den Roboter gegen die Wand, klebte das Bein fest und zeichnete. Als alle schlafen gingen, war ein Bild fertig. Am nächsten Tag malte er zwei weitere. Dann noch mehr. Bald war das ganze Buch voll mit Robotern.

Er fragte Frau Müller: Ist die Woche schon um? Kommen Anika und Tobias noch?
Frau Müller sah traurig. Jonas, die Woche ist vorbei. Sie kommen wohl nicht.

Jonas weinte die ganze Nacht. Er dachte, es lag am kaputten Roboter. Vielleicht hatte Frau Müller es erzählt. Erst gegen Morgen schlief er ein.

Doch am nächsten Tag strahlte Frau Müller.
Zieh dich an, Jonas. Jemand ist da.
Wer?
Sieh selbst.

Er öffnete die Tür da standen Anika und Tobias.
Hallo, sagte sie. Wir holen dich ab.
Wohin?, fragte Jonas verwirrt.
Du hast vom Zoo erzählt. Lust, hinzugehen?
Ja, aber Er weinte.
Was ist?, fragte Tobias besorgt.
Wartet. Jonas holte das Malbuch und den kaputten Roboter.
Hier, schluchzte er. Finn und ich er ist kaputt. Tut mir leid.

Tobias lachte. Jonas, der Roboter ist deiner. Ein Geschenk.
Dann reichte Jonas das Malbuch. Hier. Ich hab gemalt.
Perfekt!, sagte Tobias. Genau das brauchten wir. Danke. Und der Roboter? Den repariere ich.

Und jetzt ab in den Zoo!, rief Anika und half ihm in die Jacke.
Im Zoo war es wunderbar. So viele Tiere! Am besten gefielen Jonas die Affen, die lustig von Ast zu Ast sprangen.

Jonas, sagte Anika später. Wir möchten dich einladen. Zu uns nach Hause. Lust?
Ja.

In der Wohnung blieb er zaghaft an der Tür stehen.
Komm rein, sagte Tobias.
Anika führte ihn ins Kinderzimmer mit Planeten-Tapeten, einem Autobett, Spielzeug im Regal.
Wer wohnt hier?, fragte Jonas.

Anika und Tobias setzten sich zu ihm, nahmen je eine Hand.
Jonas, sagte Tobias. Wir möchten, dass du bei uns bleibst. Das ist dein Zimmer. Alles hier ist deins. Wenn du willst für immer.
Für immer?, flüsterte Jonas. Also nehmt ihr mich in eure Familie?
Ja, sagte Anika. Wir nehmen dich in unsere Familie.
Aber warum? Ich bin fremd. Und ich hab den Roboter kaputt gemacht.
Jonas, sagte Anika leise. Du bist nicht fremd. Du bist unser Sohn.

Jonas nickte weinend. Er mochte Anika, Tobias, das Zimmer. Er wollte nie zurück.
Einverstanden?, fragte Tobias.
Ja. Ich werde brav sein.

Sie lachten, hoben ihn hoch, küssten und umarmten ihn.
Und Jonas war glücklich. Endlich hatte er eine Familie. Seine eigene. Wirklich.

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Alex schaute zu Luda hinüber und beneidete sie zutiefst. Luda wurde aus dem Kinderheim geholt. Ihre neuen Mama und Papa regelten bereits die Papiere, und nun würde sie eine Familie haben. Luda erzählte von ihren Erlebnissen mit den neuen Eltern – vom Zoo, in dem Alex noch nie gewesen war, vom Puppentheater, wo Luda eine echte Hexe gesehen hatte, und von der Aprikosenmarmelade mit Kernen.
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