Wie ich versehentlich zum Zeugen wurde: Eine unfreiwillige Rolle vor Gericht

Wie ich versehentlich Trauzeuge wurde

Hätte mir jemand an jenem Morgen gesagt, dass ich am Abend in einem weißen Hemd mit einem fremden Blumenstrauß in der Hand stehen würde, ein gequältes Lächeln aufsetzen und vor wildfremden Leuten schwören würde, «ihre Ehe immer zu unterstützen», ich hätte gelacht, mir an die Stirn getippt und wäre weiter dabei geblieben, meinen Haferbrei zu kochen, während ich in den friedlichen Hof hinausblickte. Keine Warnzeichen des Schicksals, keine verdächtigen Zufälle einfach nur ein gewöhnlicher Morgen. Doch das Leben, wie sich herausstellte, liebt es, einem Aufgaben zuzuspielen, ohne Vorwarnung, und tut dies besonders theatralisch, wenn man in Hausschuhen und mit einer Tasse Kaffee dasteht.

Es begann damit, dass ich einfach nur ins Standesamt wollte. Nein, nicht aus einem wichtigen Grund gegenüber gab es den besten Würstchenstand der Stadt, und ich war mit den friedlichsten Absichten unterwegs. Schlange stehen, der Duft von frischen Brötchen, gebratenen Würstchen und Senf alles wie immer. Plötzlich hielt ein schwarzer Wagen mit Schleifen und Rosen daneben, glänzend wie im Film, und eine lärmende Gesellschaft stieg aus. Gelächter, Klatschen, Blitzlichter von Handys, Wolken von Parfüm, Konfetti alles wirbelte plötzlich um mich herum, als wäre ich versehentlich in eine festliche Filmszene geraten.

Dann kam eine der Brautjungfern, in einem grellgrünen Kleid mit glitzernden Applikationen, auf mich zugerannt, packte meinen Arm mit einer Entschlossenheit, als kenne sie mich seit Jahren, und rief: «Da ist er! Unser zweiter Trauzeuge!»

Ich drehte mich sogar um vielleicht stand ja jemand hinter mir. Doch nein. Alle starrten mich an, einige pfiffen, andere klatschten lauter, und plötzlich war ich im Mittelpunkt, wie ein Schauspieler, der aus Versehen zur falschen Zeit auf die Bühne tritt.

«Moment, ich eigentlich», begann ich, doch es war zu spät. Man zerrte mich hinein, drückte mir eine Ansteckblume in die Hand und stellte mich neben einen großen Kerl im Anzug, der aussah, als wäre er direkt darin gebügelt worden, und selbst nicht wusste, ob er lachen oder misstrauisch sein sollte.

«Halte den Strauß, lächel», zischte die grüne Brautjungfer und richtete meine Blume so fachmännisch, als täte sie das täglich. «Der eigentliche Trauzeuge steckt im Stau, du rettest die Situation. Blinzel nicht zu oft, sonst siehst du auf den Fotos aus wie eine Eule.»

Ich wollte ablehnen. Ehrlich. Mein Mund öffnete sich schon, doch in diesem Moment setzte der Hochzeitsmarsch ein laut, feierlich, mit Echo im ganzen Saal. Die Türen flogen auf, und wie auf Kommando setzte sich der Zug in Bewegung. Mit mir darin, als wäre ich Teil eines Drehbuchs, das nur ich vergessen hatte.

Ehrlich gesagt, war es eine der seltsamsten Szenen meines Lebens. Ich stand neben dem Bräutigam, der unentwegt an seinem Ärmel zupfte und auf die Uhr schielte, als fürchte er, zu seiner eigenen Hochzeit zu spät zu kommen, und neben der Braut, die aussah, als würde sie gleich vor Glück und Angst in Tränen ausbrechen. Sie holte tief Luft, biss sich auf die Lippen, und ihr Schleier zitterte leicht. Ich kannte ihre Namen nicht. Ich war mir nicht einmal sicher, ob ich den Strauß richtig hielt in welcher Hand, in welchem Winkel, und ob ich nicht wie ein Hochstapler wirkte.

Als die Standesbeamtin die Trauzeugen nach vorn bat, trat ich vor und in diesem Moment wurde mir klar: Ich stand da wie eine Figur aus einer Komödie. Alle sahen zu. Kameras filmten. Der Fotograf knipste so eifrig, als dokumentiere er einen historischen Moment. Und ich, der nur wegen eines Würstchens gekommen war, war nun Teil einer fremden Hochzeit offiziell, mit Stempel und festlicher Musik.

Das Verblüffendste? Niemand bemerkte den Tausch. Weder der Bräutigam noch die Braut, noch die Tränen verströmenden Tanten in der ersten Reihe. Ich unterschrieb selbstbewusst im Register, posierte für Fotos mit dem Brautpaar, und dann drückte mir die grüne Brautjungfer ein Stück Torte und ein Glas Sekt in die Hand, als sei das von Anfang an so geplant gewesen.

«Danke, du hast uns gerettet!», sagte sie lachend und zwinkerte mir zu. «Falls du mal einen Trauzeugen brauchst du gehörst jetzt zu uns.»

Als ich endlich das Standesamt verließ, hielt ich einen Blumenstrauß in der Hand, hatte eine Serviette mit der Nummer der Brautjungfer in der Tasche, die Musik noch in den Ohren und den Gedanken im Kopf, dass der Haferbrei an diesem Tag wohl ausfallen würde. Statt eines ruhigen Morgens hatte ich ein unerwartetes Fest erlebt, ein Glas Sekt und das Gefühl, aus Versehen die Hauptrolle in einer romantischen Komödie gespielt zu haben.

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