„Meine Mutter zieht bei uns ein. Deine kann ja ins Wochenendhaus fahren, – so entschied der Mann.“

Meine Mutter wird bei uns wohnen. Deine soll zur Ländereien fahren, entschied Jens bestimmt.
Hör mal, wie wäre es, wenn wir am Samstag ins Theater gehen?, schlug Liselotte vor, während sie die Suppe am Herd rührte. Da gibts eine neue Inszenierung, Larissa hat sie gelobt.

Jens schaltete den Fernseher aus und sah zu ihr:

Ins Theater? Ich weiß nicht, gerade fehlt mir die Kraft. Die Woche hat mich völlig erschöpft.

Du bist immer so müde, seufzte Liselotte. Wir haben seit einem halben Jahr nichts zusammen unternommen.

Na gut, wir schauen, brummte Jens und richtete den Blick wieder auf das Fußballspiel.

Liselotte biss die Lippen zusammen. Immer dieselben leeren Versprechungen mal sehen, später, irgendwann. Fünfzehn Jahre Ehe und sie hatte gelernt, die Ausflüchte zu akzeptieren, aber das bedeutete nicht, sich damit zufriedenzugeben.

Jens, rief sie, während sie den Herd ausschaltete, wir müssen reden.

Worum geht’s?, fragte er, ohne vom Bildschirm aufzusehen.

Um meine Mutter. Sie hat heute angerufen das Dach auf dem Landhaus leckt nach dem Regen, das Dach muss repariert werden. Ich dachte, vielleicht kann sie für ein paar Wochen zu uns ziehen, bis die Handwerker fertig sind.

Jens runzelte die Stirn.

Meine Mutter hat ebenfalls angerufen. Ihre Renovierung beginnt. Auch sie wollte zu uns kommen.

Liselotte setzte sich an den Tisch.

Dann sollen beide bei uns wohnen. Da ist genug Platz.

Nein, schüttelte Jens den Kopf. Zwei Mütter in einer Wohnung das geht nicht. Die würden sich streiten.

Sie streiten nicht, widersprach Liselotte. Sie kommen gut miteinander aus.

Jens stand auf, ging in die Küche, goss sich ein Glas Wasser, trank es und wandte sich wieder zu ihr.

Meine Mutter wird bei uns wohnen. Deine soll zur Ländereien fahren, erklärte er fest.

Liselotte spürte, wie ihr Inneres kalt wurde.

Du meinst, meine Mutter bleibt im undichten Landhaus, und deine hier?

Genau, zuckte Jens mit den Schultern. Meine Mutter ist bald 65, ihr fällt die Arbeit auf der Baustelle schwer. Deine ist jünger, die schafft das.

Meine Mutter ist 62!, protestierte Liselotte. Drei Jahre Unterschied das ist doch nichts.

Da ist ein Unterschied, beharrte Jens. Außerdem ist meine Mutter krank, sie braucht Ruhe.

Liselotte stand vom Tisch auf.

Und meine? Sie hat wechselnden Blutdruck, ihr Rücken tut weh!

Das haben alle, winkte Jens ab. Kurz gesagt, ich habe entschieden. Meine Mutter kommt übermorgen, und deine bleibt im Landhaus.

Er drehte sich wieder zum Fernseher. Liselotte stand fassungslos in der Küche, unfähig zu begreifen, wie er so einseitig entscheiden konnte, ohne sie zu fragen.

Jens, wir sind noch nicht fertig, sagte sie, als er die Fernbedienung wechselte.

Ich habe nichts mehr zu sagen. Es ist beschlossen.

Nichts ist beschlossen!, schallte Liselotte wütend, während sie das Wort meine immer wieder betonte. Das ist meine Wohnung, ich habe ein Mitspracherecht!

Der Mietvertrag läuft auf meinen Namen, erwiderte Jens kalt. Ich entscheide.

Liselotte erstarrte. Wenn die Wohnung ihm gehörte, bedeutete das, er sei der Chef, ihr Wort sei bedeutungslos.

Wunderbar, schnitt sie zwischen zusammengebissenen Zähnen. Sehr wunderbar.

Sie zog sich ins Schlafzimmer zurück, schlug die Tür zu und ließ den Kopf in die Hände sinken. Tränen, Wut und das Verlangen zu schreien drängten sich in ihr, doch sie blieb regungslos.

Am Abend sprachen sie kein Wort. Liselotte deckte schweigend den Tisch, Jens aß schweigend weiter und kehrte zum Fernsehen zurück. Als sie sich schlafen legten, wandte jeder den Rücken zur anderen Wand.

Morgens fuhr Jens zur Arbeit, ohne Abschied zu nehmen. Liselotte wählte ihre Mutter an:

Mama, tut mir leid, aber du kannst nicht zu uns kommen. Jens Mutter will auch einziehen, das Haus ist zu klein.

Ach, Kindchen, antwortete Frau Köhler gelassen. Ich bleibe im Landhaus, das kriege ich schon hin.

Aber das Dach leckt!, brach Liselotte in Tränen aus.

Na und? Ich setze Folie drauf, stelle Eimer hin. Das überstehe ich.

Sie legte auf und weinte. Ihre Mutter würde im undichten Landhaus sitzen, während die Schwiegermutter in der warmen Stadtwohnung hauste und es war Jens egal.

Eine Stunde später rief Jens zurück:

Meine Mutter kommt heute Abend. Mach das Gästezimmer bereit.

In Ordnung, antwortete Liselotte kurz und legte auf. Sie richtete das Zimmer, legte frische Bettwäsche hin, stellte Blumen auf mechanisch, ohne Gedanken.

Am Abend kam die Schwiegermutter, Antonia Friedrich, eine rundliche Frau mit missmutigem Blick.

Guten Abend, kleine Liselotte, drückte sie Liselotte auf die Wange. Mensch, ich bin erschöpft vom Taxifahrer, der mich die ganze Fahrt über beleidigt hat.

Guten Abend, Frau Friedrich, half Liselotte ihr den Mantel abzunehmen. Komm rein, das Zimmer ist fertig.

Mein Junge!, schrie Antonia, umarmte Jens. Wie habe ich dich vermisst!

Jens lächelte, umarmte seine Mutter und befragte sie nach der Anreise. Liselotte beobachtete das Bild, wie ihr Herz zusammenzog.

Beim Abendessen klagte Antonia über die Kosten:

Stellt euch vor, die Handwerker verlangen hunderttausend Euro für alles! Das ist Raub mitten am Tag! Ich sage ihnen, sie sollen andere finden.

Mama, das ist doch der übliche Preis, bemerkte Jens.

Üblich!, fauchte Antonia. In meiner Jugend konnte man für solches Geld eine ganze Wohnung kaufen! Heute muss man für jeden Krümel drei Schweine opfern!

Liselotte aß schweigend Borschtsch, während Antonia weiter über Preise, Politik, Nachbarn und das Wetter schimpfte. Jens nickte, zeigte Mitgefühl.

Warum bist du so still, Liselotte?, fragte Antonia plötzlich. Du siehst immer so müde aus.

Ich bin einfach nur erschöpft, antwortete Liselotte.

Erschöpft?, wiederholte die Schwiegermutter spöttisch. Ich habe mit drei Jobs gekämpft, und ich habe nie gejammert!

Liselotte schwieg. Antonia ließ sich nicht beirren sie würde jede Bemerkung von Liselotte übertönen.

Nach dem Essen ging Antonia in ihr Zimmer, Liselotte spülte das Geschirr. Jens trat zu ihr:

Warum bist du so wütend?

Ich bin nicht wütend, drehte Liselotte sich nicht zu ihm um. Ich bin nur enttäuscht.

Weshalb?

Weil du meine Meinung nie gefragt hast, sagte sie schließlich und sah ihn an. Du hast einfach entschieden, und das war’s. Meine Mutter muss im Regen stehen, deine hier im warmen Zuhause.

Übertreib nicht, verzog Jens das Gesicht. Deine Mutter schafft das.

Und wenn es umgekehrt wäre?, wischte Liselotte sich die Hände ab. Wenn ich sagen würde, meine Mutter kommt und deine bleibt beim Umbau?

Das ist etwas anderes, knurrte er.

Worin besteht der Unterschied?

Dass meine Mutter älter und kränker ist.

Drei Jahre Unterschied!, platzte Liselotte heraus. Drei Jahre! Das ist kein Unterschied!

Jens winkte ab und ging. Liselotte blieb allein in der Küche, trank den abgekühlten Tee und dachte: Was, wenn ich einfach wegginge? Zu meiner Mutter aufs Landhaus, während Jens mit seiner geliebten Mutter hier bleibt? Doch dann dachte sie: Wohin soll ich gehen? Das ist doch auch mein Zuhause.

Am nächsten Morgen stand Antonia früh in der Küche und begann zu herrschen. Liselotte erwachte vom Klirren der Töpfe.

Guten Morgen, kam Antonia herein.

Morgen, brummte die Schwiegermutter, während sie in den Schränken wühlte. Liselotte, wo ist mein Sieb? Ich will Grieß kochen.

Im rechten Schrank, oben.

Antonia kramte, zog Teller heraus und schimpfte:

Ach du meine Güte, hier ist ein einziges Chaos! Wie soll ich irgendwas finden?

Ich finde, erwiderte Liselotte gefasst.

Wir müssen alles umstellen, Ordnung schaffen, fuhr Antonia fort.

Nicht nötig, packte Liselotte ihre Hand. So ist es für mich bequem.

Bequem!, spottete Antonia. Du lebst im Chaos und wunderst dich, warum Jens immer unzufrieden ist!

Liselotte ballte die Fäuste. Sie atmete tief ein, atmete aus und sprach ruhig:

Antonia Friedrich, das ist meine Küche. Hier koche ich seit fünfzehn Jahren, und das ist meine Ordnung.

Na gut, na gut, mach dir keinen Kummer, winkte Antonia ab. Ich will nur das Beste.

Liselotte ging ins Bad, sah ihr Spiegelbild müde Augen, dunkle Ringe, angespannte Züge. Erschöpft von all dem.

Jens ging zur Arbeit, Liselotte blieb zu Hause mit Antonia. Die Schwiegermutter verbrachte den Tag damit, die Wohnung zu kritisieren:

Die Vorhänge sind alt, neue müssen her. Das Sofa ist durchgelegen, wir brauchen ein neues. Die Tapete im Flur löst sich, warum nicht kleben? Der Teppich ist staubig, wann wurde er zuletzt gesaugt?

Liselotte hörte schweigend zu und dachte an ihre eigene Mutter, die immer taktvoll war, nie in fremde Dinge eingriff.

Mittags beschloss Antonia, ihren berühmten Borschtsch zu kochen. Der ganze Tisch war von Töpfen und Pfannen überhäuft. Liselotte bot Hilfe an:

Darf ich etwas schneiden?

Nein, ich mach das allein, wischte Antonia ab. Du schneidest nie richtig!

Liselotte ging auf den Balkon, rief ihre Mutter an:

Mama, wie geht es dir?

Gut, Kindchen, kam Frau Köhler fröhlich. Ich habe Eimer aufgestellt, Folie gezogen, der Regen hat aufgehört.

Mama, schluchzte Liselotte, kannst du doch nicht doch zu uns kommen? Wir finden eine Lösung

Nein, mein Schatz, das schaffst du allein. Ich höre deine Stimme und weiß, dass du das schaffst.

Liselotte legte auf und weinte. Ihre Mutter würde im Landhaus unter dem lecken Dach sitzen, während die Schwiegermutter in der warmen Stadtwohnung wohnte und das war Jens Priorität.

Einige Stunden später rief Jens:

Meine Mutter kommt heute Abend. Mach das Gästezimmer bereit.

Liselotte nickte, richtete das Zimmer, legte frische Bettwäsche hin, stellte Blumen auf mechanisch, ohne Gedanken.

Am Abend kam Antonia, ein rundlicher, missmutiger Blick.

Guten Abend, kleine Liselotte, drückte sie Liselotte auf die Wange. Mensch, ich bin vom Taxifahrer beleidigt worden.

Guten Abend, Frau Friedrich, half Liselotte ihr den Mantel abzunehmen. Komm rein, das Zimmer ist fertig.

Mein Junge!, schrie Antonia, umarmte Jens. Wie habe ich dich vermisst!

Jens lächelte, umarmte seine Mutter, fragte nach der Anreise. Liselotte beobachtete das Bild, wie ihr Herz zusammenzog.

Beim Abendessen klagte Antonia über die Kosten:

Stellt euch vor, die Handwerker verlangen hunderttausend Euro für alles! Das ist Raub mitten am Tag! Ich sage ihnen, sie sollen andere finden.

Mama, das ist doch der übliche Preis, bemerkte Jens.

Üblich!, fauchte Antonia. In meiner Jugend konnte man für solches Geld eine ganze Wohnung kaufen! Heute muss man für jeden Krümel drei Schweine opfern!

Liselotte aß schweigend Borschtsch, während Antonia weiter über Preise, Politik, Nachbarn und das Wetter schimpfte. Jens nickte, zeigte Mitgefühl.

Warum bist du so still, Liselotte?, fragte Antonia plötzlich. Du siehst immer so müde aus.

Ich bin einfach nur erschöpft, antwortete Liselotte.

Erschöpft?, wiederholte die Schwiegermutter spöttisch. Ich habe mit drei Jobs gekämpft, und ich habe nie gejammert!

Liselotte schwieg. Antonia ließ sich nicht beirren sie würde jede Bemerkung von Liselotte übertönen.

Nach dem Essen ging Antonia in ihr Zimmer, Liselotte spülte das Geschirr. Jens trat zu ihr:

Warum bist du so wütend?

Ich bin nicht wütend, drehte Liselotte sich nicht zu ihm um. Ich bin nur enttäuscht.

Weshalb?

Weil du meine Meinung nie gefragt hast, sagte sie schließlich und sah ihn an. Du hast einfach entschieden, und das war’s. Meine Mutter muss im Regen stehen, deine hier im warmen Zuhause.

Übertreib nicht, verzog Jens das Gesicht. Deine Mutter schafft das.

Und wenn es umgekehrt wäre?, wischte Liselotte sich die Hände ab. Wenn ich sagen würde, meine Mutter kommt und deine bleibt beim Umbau?

Das ist etwas anderes, knurrte er.

Worin besteht der Unterschied?

Dass meine Mutter älter und kränker ist.

Drei Jahre Unterschied!, platzte Liselotte heraus. Drei Jahre! Das ist kein Unterschied!

Jens winkte ab und ging. Liselotte blieb allein in der Küche, trank den abgekühlten Tee und dachte: Was, wenn ich einfach wegginge? Zu meiner Mutter aufs Landhaus, während Jens mit seiner geliebten Mutter hier bleibt? Doch dann dachte sie: Wohin soll ich gehen? Das ist doch auch mein Zuhause.

Am nächsten Morgen stand Antonia früh in der Küche und begann zu herrschen. Liselotte erwachte vom Klirren der Töpfe.

Guten Morgen, kam Antonia herein.

Morgen, brummte die Schwiegermutter, während sie in den Schränken wühlte. Liselotte, wo ist mein Sieb? Ich will Grieß kochen.

Im rechten Schrank, oben.

Antonia kramte, zog Teller heraus und schimpfte:

Ach du meine Güte, hier ist ein einziges Chaos! Wie soll ich irgendwas finden?

Ich finde, erwiderte Liselotte gefasst.

Wir müssen alles umstellen, Ordnung schaffen, fuhr Antonia fort.

Nicht nötig, packte Liselotte ihre Hand. So ist es für mich bequem.

Bequem!, spottete Antonia. Du lebst im Chaos und wunderst dich, warum Jens immer unzufrieden ist!

Liselotte ballte die Fäuste. Sie atmete tief ein, atmete aus und sprach ruhig:

Antonia Friedrich, das ist meine Küche. Hier koche ich seit fünfzehn Jahren, und das ist meine Ordnung.

Na gut, na gut, mach dir keinen Kummer, winkte Antonia ab. Ich will nur das Beste.

Liselotte ging ins Bad, sah ihr Spiegelbild müde Augen, dunkle Ringe, angespannte Züge. Erschöpft von all dem.

Jens ging zur Arbeit, Liselotte blieb zu Hause mit Antonia. Die Schwiegermutter verbrachte den Tag damit, die Wohnung zu kritisieren:

Die Vorhänge sind alt, neue müssen her. Das Sofa ist durchgelegen, wir brauchen ein neues. Die Tapete im Flur löst sich, warum nicht kleben? DerAm nächsten Morgen, als das Haus endlich still war, erkannte Liselotte, dass ihr wahres Zuhause nicht aus vier Wänden bestand, sondern aus der Entscheidung, sich selbst zu achten.

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„Meine Mutter zieht bei uns ein. Deine kann ja ins Wochenendhaus fahren, – so entschied der Mann.“
Случайный герой спас ребёнка из огня, но никто не мог предположить правду, которая всплыла позже…