Verräterischer Vater: Ein Drama zwischen Loyalität und Verrat

Damals, als ich noch in der kleinen Altbauwohnung in Berlin wohnte, dachte ich oft zurück an das seltsame Geschehen, das mein Leben völlig umstülpte.

Einen Moment!, rief meine alte Schulfreundin Marlene keck zurück, als ich ihr meine Sorgen schilderte. Zahlt dein Mann denn überhaupt Unterhalt?

Ich schüttelte den Kopf. Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht. Wir brauchen gar nichts von ihm, und er hat ja inzwischen eine neue Familie

Ach du meine Güte, seufzte sie. Wäre ich nur früher dran gekommen, hätte ich dich gleich darauf hingewiesen. Das Gesetz sieht Unterhalt für die Kinder vor nicht für uns. Und es soll niemanden stören, dass er jetzt eine neue Frau und ein Kind hat.

Ich, Greta, war mit meinem Mann Karl zufrieden. Wir zogen unsere beiden Töchter, Liesel und Heike, gemeinsam groß, lebten in Karls zweizimmeriger Wohnung und arbeiteten beide. Karls kleines Transportunternehmen brachte nicht viel ein, doch zusammen reichten unsere Einkommen aus.

Marlene war jedoch nicht begeistert von Karl. Er ist träge und faul!, schwärmte sie in unserer wöchentlichen Mädelsrunde. Er könnte doch noch einen Nebenjob finden zum Beispiel als Taxifahrer! Stattdessen liegt er nach der Arbeit nur noch auf der Couch. Müde, sag ich euch!

Wir haben nicht einmal ein Auto, protestierte ich scheu.

Und warum nicht? Heutzutage kann man fast alles mieten das ist das 21.Jahrhundert!, entgegnete Marlene lachend.

Aber er ist freundlich, ordentlich und trinkt nie, verteidigte ich ihn eifrig. Und er liebt uns Kinder!

Marlene nahm es mir nicht übel. Wir kannten uns seit der Grundschule, und sie war immer ganz direkt was ihr in den Sinn kam, kam heraus. Hinter ihrer rauen Schale verbarg sich jedoch ein gutes Herz; sie half, wenn Geld bis zum nächsten Lohn fehlte.

Mit den Männern hatte ich bis zu meinem dreißigsten Lebensjahr kein Glück. Dann fand ich schließlich meine Zufriedenheit und zog mit Karl in ein kleines Dorf am Rande von Hamburg. Wir sprachen nur noch am Telefon und sahen uns einmal im Jahr.

Dann kam der Tag, an dem Karl plötzlich verkündete, er wolle zu einer anderen Frau gehen. Ohne Vorwarnung trat er in mein Leben und brachte die erschütternde Nachricht, dass er mit seiner neuen Freundin Ruth, einer ehemaligen Schulkrankenschwester, zusammenziehen wolle und sogar ein gemeinsames Kind einen Jungen plane.

Also seid ihr schon lange zusammen?, fragte ich verblüfft.

Das ist nicht wichtig, wischte Karl ab. Wichtig ist, dass ich zu ihr ziehe und ihr die Wohnung räumen müsst.

Ruth, sieben Jahre jünger als ich, war mir beim ersten Treffen begegnet, als Liesel in der Schule stürzte und Karl sie abholte. Wie sich herausstellte, gehörte die Wohnung, in der wir so lange gelebt hatten, nicht Karl; ein wohlmeinender Verwandter hatte ihm lediglich ein Dach über dem Kopf gestellt und nun verlangte er, das Haus zu räumen ein kurioser Zufall, wie er selbst sagte.

Ich wusste nichts von den Nebenkosten, die Karl immer selbst bezahlte, und ich hatte nie die Rechnungen gesehen, zumal wir denselben Nachnamen trugen. So schockiert ich über die Situation, dass ich nicht einmal einen Streit mit ihm begann. Ich packte das Wenige, rief ein Taxi und zog mit den Mädchen in ein Zimmer einer dreizimmerigen Wohnung, in der ich noch vor der Ehe gewohnt hatte.

Liesel, erst elf, war ungewöhnlich scharfsinnig und begriff sofort, was geschah. Sie wandte sich von ihrem Vater ab und zeigte eine eigensinnige Unabhängigkeit. Heike folgte ihr in allem.

Wir werden uns ja noch sehen, versuchte Karl beschwichtigend zu sagen, doch als er merkte, dass uns keiner mehr zuhört, ließ er das Wort fallen.

Bald stellte sich heraus, dass er wenig Lust hatte, seine Töchter zu besuchen. Er hatte nun einen Sohn, Viktor, den er als sein Vermächtnis betrachtete.

Glücklicherweise halfen mir die Mädchen, wieder zu mir selbst zu finden. Ich erkannte, dass ich für sie alles geben würde und dass kein VaterVerräter das nötig hatte.

Das Leben in dem neuen MiniWohnheim war ungewohnt. Der Nachbar, Onkel Josef, trank mehr als vor zwölf Jahren und lud ständig junge Leute ein. Doch die Nachbarin, Frau Gertrud, erwies sich als unschätzbare Stütze.

Ach, du arme Seele, sah sie mit Mitleid zu mir, während ich versuchte, die Kisten zu sortieren und den Mädchen ein mürrisches Lächeln zu entlocken. Aber keinen Grund zur Sorge! Es gibt noch genug gute Menschen auf dieser Welt.

Gertrud animierte die Mädchen zum Aufräumen, zum Kochen und erzählte alberne Anekdoten aus ihrem Leben, die sie alle zum Lachen brachten. Sie passte auf sie auf, wenn sie von der Schule zurückkehrten.

Ich nahm einen zweiten Job an und kam oft spät nach Hause. Liesel, meine Pfiffige, lernte selbständig und half Heike bei den Hausaufgaben. Unter Gertruds Anleitung meisterten die Mädchen die einfache Küche, und das Zimmer blieb stets ordentlich.

Mit den Mädchen hast du wirklich Glück, zwinkerte Frau Gertrud.

Ich weiß, grinste ich müde zurück.

Nach einem halben Jahr hatte sich das Familienleben beruhigt. Wir lebten friedlich, kümmerten uns umeinander und um die Nachbarn. Selbst Onkel Josef wirkte, wenn die Kinder anwesend waren, weniger trinkfreudig.

Karl sah die Mädchen höchstens ein oder zweimal, doch postete täglich Bilder und Videos seiner neuen Frau und des Sohnes in den sozialen Medien. Ich sah das nicht, doch Marlene berichtete mir davon.

Ich verstehe das nicht!, schrie Marlene, ungefiltert wie immer. Er hat dich verlassen und du sagst mir nichts? Wie bitte!

Marlene, ich kenne dich du würdest dir Sorgen machen und das in deiner Lage nicht zulassen, stammelte ich.

In welcher Lage denn? Ich bin schwanger, nicht krank! Und bitte nicht auf mein Alter anspielen!, schrie sie fast heiser. Erzähl schnell!

Ich berichtete knapp und nüchtern, als wäre alles längst vergangen.

Gut so?, bohrte Marlene. Na ja, ich freu mich, dass ihr lebt, aber dieser muss doch irgendwie zur Rechenschaft gezogen werden!

Marlene, warum bist du so blutrünstig? Lass ihn leben!

Wir werden darüber noch nachdenken. Und lass mich nie wieder etwas verheimlichen!, fuhr sie wütend fort.

Ihr raues Lachen brachte mich zum Schmunzeln sie wusste immer, wie sie mich aufmuntern konnte.

Ein Monat später tauchte Karl erneut auf und erklärte, er sei jetzt ein reicher Mann. Ein Onkel sei verstorben und habe ihm ein Landhaus, ein Auto und eine beachtliche Summe Geld vererbt.

Ich nehme die Töchter jetzt mit, verkündete er hochtrabend. Sie sollen wie Menschen leben, mit eigenen Zimmern und allem. Hier ist alles klapprig, das Dach leckt, keine Renovierung in Sicht.

Bist du verrückt geworden?, staunte ich. Du hast dich nie um die Kinder gekümmert

Mir blieb einfach nichts mehr zu geben. Ruth hat einen PsychologieKurs absolviert und meint, die Kinder sollten mit dem Vater aufwachsen. Und du bist immer bei der Arbeit

Was soll ich jetzt noch tun? Was für ein Experiment soll ich deiner Ruth folgen?

Wenn du dich wehrst, nehme ich die Kinder vor Gericht, drohte er.

Gertrud, die das Geschehen beobachtet hatte, stürzte sich sofort auf den Eindringling und schob ihn aus der Tür. Karl verließ das Haus stolz, doch er ließ nicht locker.

Was soll ich nur tun, Marlene?, schluchzte ich ins Telefon. Die Wohnung ist wirklich verfallen, die Hausverwaltung kann das Dach seit zwei Jahren nicht reparieren, und die Aufseher schimpfen ständig über meine Einkünfte

Marlene antwortete prompt: Einen Moment! Und dein Mann zahlt keinen Unterhalt?

Ich gestand ihr, dass ich nie wirklich darüber nachgedacht hatte. Sie erwiderte, dass das Gesetz den Kindern Unterhalt schuldet nicht uns. Und dass Karl für die Wohnung sorgen müsse. Ich lachte, weil ich kaum noch fernsehen sah.

Marlene bot an, mir eine Bekannte zu vermitteln, die mir alles genau erklären könne. Diese Bekannte war die junge, sprunghafte Juristin Alina. Nachdem sie mit mir gesprochen hatte, skizzierte sie Karls Verpflichtungen.

Er muss Unterhalt zahlen, ein Drittel, wie es das Gesetz vorsieht. Wir haben eine Zweizimmerwohnung gefunden, ihr tragt die Hälfte der Miete, sagte Alina. Und die Behandlungskosten der Kinder musst du ebenfalls anteilig übernehmen, fügte sie hinzu, während sie Karl, der ratlos dastand, anstarrte.

Das bedeutet, die Mädchen leben künftig bei mir, erklärte Alina, die Schulter zuckte. Das Gericht wird sie der Mutter zusprechen, weil sie das wollen.

Am Ende einigten wir uns darauf, dass Karl Unterhalt zahlt, Geld für die Wohnungsreparatur leistet und die Töchter nicht mehr belästigt.

Entspannt euch, zwinkerte Alina. Wir werden ihn noch dazu bringen, beim Kauf einer eigenen Wohnung zu helfen. Alles wird gut.

Ich hatte keinen Grund, ihrer Energie zu misstrauen. Und so, während die Jahre vergingen, blieb das Bild jener turbulenten Zeit in meinem Gedächtnis lebendig ein Mahnmal dafür, dass wahre Stärke in der Gemeinschaft und im unbeirrten Durchhaltewillen liegt.

Оцените статью
Verräterischer Vater: Ein Drama zwischen Loyalität und Verrat
Молодой отец впервые увидел сына — и всё в роддоме замерло навсегда