Wir haben sie sofort gehasst, als sie die Schwelle unseres Hauses überschritt

Wir hassten sie sofort, sobald sie die Schwelle unseres Hauses überschritt.

Ihr Oberteil war schlicht, doch ihre Hände unterschieden sich von Mamas. Die Finger waren kürzer und dicker, und sie hielt sie stets zu einer Faust verschränkt. Die Beine waren schlanker, die Füße länger.

Wir saßen mit meinem Bruder Valentin, er war sieben, ich neun, und warfen ihr spitze Bemerkungen zu. Liselotte, du bist keine Miez, du bist ein Kilometer lang, nicht ein kurzer Schritt! riefen wir. Vater bemerkte unser Unbehagen und ermahnte uns streng: Benutzt euch anständig! Warum benimmt ihr euch wie ungezogene Kinder?

Bleibt sie lange bei uns?, fragte Valentin schnippisch. Er durfte das sagen, er war noch klein und ein Junge.
Für immer, antwortete Vater.

Man hörte, wie er langsam die Geduld verlor. Wenn er ausflippen würde, würde es uns nicht gut ergehen besser, ihn nicht zu erzürnen.

Eine Stunde später wollte Liselotte nach Hause gehen. Sie zog ihre Schuhe an, und gerade als sie das Treppenhaus verließ, versuchte Valentin, ihr heimlich eine Stolperfalle zu stellen. Sie stolperte beinahe in die Hauswand.

Vater, besorgt, rief: Was ist geschehen?
Ich bin über ein anderes Schuhwerk gestolpert, sagte sie, ohne Valentin anzusehen.
Alles ist wieder in Ordnung. Ich räume das auf, versprach er sofort.

Da wurde uns klar: Er liebte sie. Wir konnten sie nicht aus unserem Leben verdrängen, wie sehr wir es auch versuchten.

Einmal, als Liselotte allein mit uns zu Hause war, sagte sie mit ruhiger Stimme:
Eure Mutter ist gestorben. Das passiert leider. Sie sitzt jetzt auf dem Himmelsthron und sieht alles. Ich glaube, ihr Verhalten gefällt ihr nicht. Sie versteht, dass ihr aus Trotz so handelt. Ihr bewahrt ihr Andenken, aber nicht auf die richtige Weise.

Wir wurden wachsam.

Valentin, Klara, ihr seid doch brave Kinder! Soll man das Andenken an die Mutter so bewachen? Gute Taten machen einen Menschen. Ich kann nicht glauben, dass ihr ständig so stachelig seid wie Igel! sagte sie. Durch solche Worte dämpfte sie unser Verlangen nach schlechten Streichen.

Einmal half ich ihr, die Einkäufe vom Markt auszupacken. Liselotte lobte mich überschwänglich, strich mir über den Rücken. Ja, die Finger waren nicht Mamas, aber das Gefühl war angenehm Valentin wurde eifersüchtig.

Sie stellte auch die frisch gespülten Tassen ordentlich ins Regal. Liselotte lobte ihn, und später erzählte sie unserem Vater begeistert, wie hilfreich wir waren. Er freute sich.

Ihre Fremdheit ließ uns lange nicht locker. Wir wollten sie in unser Herz schließen, doch es klappte nicht. Nicht die Mutter, das sei! das war unser Mantra.

Ein Jahr später hatten wir vergessen, wie das Leben ohne sie war. Nach einem Vorfall verliebten wir uns schließlich gänzlich in Liselotte, wie unser Vater es einst getan hatte.

Valentin hatte in der siebten Klasse es nicht leicht. Ein Junge namens Heinz Hramt, von gleicher Größe, aber dreist, schikanierte ihn. Die Familie Hramt war wohlhabend, Heinz fühlte die Unterstützung seines Vaters, der ihm offen sagte: Du bist ein Mann, schlag die anderen, warte nicht, bis sie dich ersticken. So wurde Valentin zu Heinz leichtem Opfer.

Heinz ließ kaum etwas zu Hause ungesagt. Er wartete, bis die Dinge von selbst nachließen doch das klappt nicht von allein. Die Täter werden mutiger, wenn die Opfer keine Konsequenzen fürchten.

Heinz schlug Valentin offen. Immer wenn jemand vorbeikam, traf er ihn an die Schulter. Ich schaffte es nach großer Mühe, die blauen Flecken von Valentin zu entdecken. Er meinte, Männer dürften ihre Probleme nicht auf Schwestern abwälzen, selbst wenn sie älter waren. Unter der Tür stand Liselotte und lauschte unserem Gespräch.

Valentin bat mich, dem Vater nichts zu sagen, sonst würde alles schlimmer werden. Er flehte mich an, nicht sofort zu Heinz zu gehen und ihm ins Gesicht zu schlagen. Ich wollte ihm helfen, sogar bis zum Äußersten. Auch dem Vater die Sache zu erzählen, war riskant er könnte mit Heinz Vater aneinandergeraten, und das endete schnell im Gefängnis

Am nächsten Tag war Freitag. Liselotte gab vor, zum Markt zu gehen, führte uns aber zur Schule und bat heimlich, dass wir Heinz zeigen sollten. Ich tat es und rief: Du Bösewicht!

Dann begann Valentin im Deutschunterricht. Liselotte trat freundlich ins Klassenzimmer, mit einer hübschen Frisur und gepflegtem Nagellack, und bat mit süßem Ton, dass Heinz Hramt das Klassenzimmer verlassen solle, weil sie etwas mit ihm zu besprechen habe.

Die Lehrerin stimmte zu, nichts ahnend. Heinz ging gelassen hinaus, hielt Liselotte für die neue Aufseherin. Sie packte ihn an den Schultern, zog ihn hoch und zischte:
Was willst du von meinem Sohn?
Von welchem Sohn?, stammelte er verwirrt.
Von Valentin Rübsam!! schrie sie.
Nichts murmelte er.

Ich will gar nichts! Wenn du meinen Sohn noch einmal anfasst, dich nähert oder mich falsch ansiehst, zerreiße ich dich, du Halunke!
Bitte, lassen Sie mich los!, quiekte Heinz. Ich will das nicht mehr!
Verschwinde hier!, befahl Liselotte, und wag es nicht, etwas gegen mich zu sagen. Ich setze deinen Vater ins Gefängnis wegen Kindesmisshandlung! Verstanden? Sag der Lehrerin, ich sei deine Nachbarin, die du um einen Schlüssel bittest! Und nach dem Unterricht entschuldigst du dich bei Valentin! Ich überwache das persönlich!

Heinz humpelte zurück in den Klassenraum, zwirbelte sich nervös. Von da an sah er Valentin nicht mehr an er mied ihn völlig. Noch am selben Tag entschuldigte er sich, kurz und abgehackt, aber er tat es.

Erzählt dem Vater nichts, bat Liselotte uns, doch wir konnten das nicht halten und erzählten alles. Er war begeistert.

Irgendwann führte sie auch mich den rechten Weg. Ich verliebte mich mit sechzehn, in einer wilden, hormongetriebenen Liebe, die jede Vernunft vernebelte und nach Verbotenem verlangte.

Schamhaft, aber ehrlich, erzähle ich: Ich traf einen arbeitslosen, ständig betrunkenen Pianisten, bemerkte nicht, was offensichtlich war. Er flüsterte mir, ich sei seine Muse, und ich schmolz in seinen Armen wie Wachs. Das war meine erste Begegnung mit einem Mann.

Meine Mutter ging zu ihm und fragte: Ist er manchmal nüchtern und womit wollen wir leben? Bei einem klaren Lebensplan versprach sie, über eine mögliche Zukunft nachzudenken natürlich nur, wenn der Pianist für meine Versorgung aufkommt. Ein einfaches Mietshaus reichte nicht für ernsthafte Absichten.

Der Pianist war fünf Jahre jünger als Liselotte, ich dagegen fünfundzwanzig Jahre älter. Sie scheute keine Form. Die Antworten des Pianisten will ich hier nicht wiedergeben, doch ich schämte mich nie mehr vor meiner Mutter, besonders als sie sagte: Ich dachte, du seist klüger.

Damit endete meine Liebesgeschichte kläglich und unschön, aber weder der Pianist noch mein Vater landeten im Gefängnis. Liselotte griff rechtzeitig ein

Jahre vergingen. Valentin und ich gründeten Familien, in denen die wichtigsten Werte Liebe, Respekt und Fürsorge verankert sind, wenn ein Nahestehender irrt. Diese Werte wurden uns von Liselotte eingepflanzt.

Eine Frau, die für uns Brüder mehr getan hat, gibt es nicht mehr. Vater ist glücklich, gepflegt und geliebt. Eines Tages erlebte Liselotte ein Familienunglück, von dem Valentin und ich nichts wussten; unser Vater hatte uns nie einbezogen.

Liselotte liebte unseren Vater und ließ ihren Mann zurück. Sie hatte einen Sohn, der jedoch durch den Mann getötet wurde sie konnte ihm das nie verzeihen.

Wir glauben, dass wir Liselotte ein wenig Trost gespendet haben. Ihre enorme Rolle in unserer Erziehung wurde nie klein geredet. Immer versammelt sich die ganze Familie um sie. Wir wissen nicht, welche Hausschuhe ihr passen, doch wir schätzen und bewahren sie.

Denn wahre Mütter, selbst wenn jemand ihr Hindernis sein will, stolpern nie.

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