Nach dem Training stürmt Heike Müller hastig durch die Straßen Berlins, verspricht ihrem Mann Leon Schröder, zu Hause Fischsuppe zu kochen. Sie wirft die Tür auf und findet Leon lässig am Küchentisch, ein Glas Rotwein in der Hand.
Na also, alles auf einmal, was? Leon, reicht dir nicht die Geduld, um auf mich zu warten? Lass mich wenigstens eine Vorspeise zubereiten
Nicht nötig, setz dich. Wir müssen reden
Heike hat so einen Mann noch nie gesehen verwirrt, verloren. Herrgott, was ist passiert?
Leon atmet tief durch. Ich ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich sags, wie es ist: Meine Assistentin Lotte Wagner ist schwanger von mir. Ich gehe zu ihr.
Wirklich? Wie aus einer schlechten Seifenoper! Und seit wann?
Seit etwa einem Jahr. Kaum war sie da, hat sie mir ständig Aufmerksamkeit geschenkt jung, hübsch, voller Lebenslust, fast wie du in deinen jungen Jahren. Ich habe mich verknallt wie ein Bub! Ich wollte es dir ehrlich sagen, doch mir fehlte der Mut, dich nicht zu verletzen
Er senkt den Blick. Jetzt ist es zu spät, wir werden Eltern. Schon immer wollte ich ein eigenes Kind. Dein Sohn Felix ist mir wie ein Bruder, aber nicht blutsverwandt. Ich brauche einen Erben, will das Unternehmen an ihn weitergeben. Bei Lotte fühle ich mich wieder jung Ich glaube, ich habe die Midlife-Crisis erwischt. Hast du schon mal davon gehört?
Heike bleibt stumm, während Leon seine Schuld eingesteht. Ich bin ein Feigling, ja. Aber ich vernachlässige dich und Felix nicht. Wohnung, Auto, alles bleibt euch. Ich helfe finanziell, zahle das Studium, wie versprochen. Ich habe schon ein neues Haus gekauft, das auf Lotte zugeschrieben ist sie wird die Mutter meines Kindes.
Heike nickt langsam. Ich verstehe, Leon. Eine schöne Frau wie Lotte kann einen Mann leicht um den Finger wickeln. Du bist doch ein echter Kerl. Das Kind nicht zu verlassen, ist ehrenhaft. Danke für das Geld, ich will jetzt reisen, für mich leben.
Wann ziehst du aus? Brauchst du Hilfe beim Packen?
Leon schaut verwirrt, doch Heike bleibt kühl. Leb wohl, mein Lieber. Danke für die Jahre. Das Leben schreibt seine eigenen Drehbücher. Vielleicht finde ich noch die Liebe mit einem anderen Mann. Jetzt geh, Lotte wartet sicher schon
Leon schnappt hastig die Koffer, lächelt unbeholfen und eilt zum Aufzug. Hinter schließende Tür holt Heike eine Flasche Champagner aus dem Kühlschrank, schüttet sich das Glas voll und trinkt es in einem Zug. Ihr Mann hat sie verlassen absurd, wie das klingt.
Sie hätte sich nie träumen lassen, dass das passiert. Jahre lang lebten sie friedlich, keine wütenden Liebesausbrüche, aber doch Verbundenheit, Gewohnheit, Respekt.
Genug Jammern, denkt sie. Neues Leben, neue Regeln. Ich finde etwas, womit ich meine Zeit fülle, und Leon zahlt weiter. Geld bedeutet Möglichkeiten, doch sie muss sich an den Status einer Verlassenen gewöhnen.
Heike wirft sich in einen Strudel neuer Eindrücke. Sie meldet sich zum Tanzkurs an, besucht nach der Arbeit das Studio. An den Wochenenden geht sie ins Museum, ins Kino, trainiert im Fitnessstudio dank ihrer Nachbarin Anja Fischer, die allein lebt und gerne Gesellschaft leistet.
Felix studiert in München, kommt selten nach Hause. Heike lebt für sich selbst, kocht, was ihr schmeckt, muss sich nicht mehr nach jemand anderem richten. Sie tut, was ihr gefällt, niemand kann ihr etwas verbieten. An einen neuen Mann denkt sie nicht; allein zu sein gefällt ihr.
Die Scheidung verlief leise und friedlich. Im Gerichtssaal sah Heike Lotte im Flur eine Schönheit, die Leon eindeutig gefallen hat.
Leon überweist jeden Monat das vereinbarte Geld, das Unternehmen floriert, er kann Heike und Felix problemlos unterstützen. Heike ist dankbar für die Großzügigkeit, doch Lotte scheint nichts davon zu wissen sie würde es sicher nicht gutheißen.
Ein Jahr vergeht. Heikes Leben hat sich kaum geändert: Tanz, Training, ein kurzer Trip ins Ausland. Leons Zahlungen stoppen; Heike fühlt sich unbehaglich, fragt nach dem Grund, doch vermutlich hat Lotte es verboten. Es ist egal, das Leben geht weiter. Felix verdient gut, zahlt das Studium selbst, das Geld reicht für ihre Bedürfnisse.
An einem freien Tag genießt Heike jeden Moment. Beim Kochen der Fischsuppe stellt sie fest, dass kein Brot mehr da ist ihr Lieblingsbrot. Sie eilt zur Bäckerei, trifft dort zufällig Leon.
Leon, was machst du hier?
Heike, hallo. Ich wohne jetzt ganz in der Nähe, habe eine Wohnung gekauft.
Na, das ist ja was Neues Und Lotte? Das Kind? Wer ist denn geboren?
Eine Tochter Eine ganze Geschichte. Stell dir vor, Lotte wurde von einem Konkurrenten eingeschleust, gewann unser Vertrauen, ich verliebte mich, dann drängte sie darauf, das Unternehmen auf sie zu übertragen. Ich unterschrieb aus Emotionen, ließ ihr einen gewissen Betrag auf ein Konto, das sie nicht kennt. Am Ende hat sie mich rausgeworfen, die Tochter ist nicht meine, das Geschäft ging an den Konkurrenten. Genau wie in einer schlechten Seifenoper!
Ich habe die Wohnung gekauft, einen Job gefunden, leide nicht, aber mein altes Leben gibt es nicht mehr. Und ich kann dir nicht mehr helfen Entschuldige, du wirst mich sicher nicht mehr kontaktieren wollen, ich habe dich verraten.
Heike empfindet plötzlich Mitleid. Leon wirkt verwundet. Du Narr!
Komm zu mir, ich habe deine Lieblings-Fischsuppe gekocht.
Sie setzen sich an die alte Küche, wo sie so oft beieinander saßen, reden über das Neueste, doch nun sind sie nicht mehr Mann und Frau.
Ab und zu telefonieren sie noch, jedoch ohne die Absicht, wieder zusammenzukommen. Jeder lebt sein eigenes Leben. Heike lernt bei den Tanzkursen einen Mann kennen, heiratet ihn und ist glücklich.
Leon wird zur Hochzeit eingeladen, erscheint, freut sich für die ExFrau. Dort lernt er die Schwester des Bräutigams kennen. Ein halbes Jahr später tanzt Heike mit ihrem neuen Mann auf Leons Hochzeit.
Das Leben ist eine unvorhersehbare Geschichte. Man darf nie den Mut verlieren, keinen Schlussstrich ziehen, egal was passiert. Man weiß nie, was morgen kommt man muss weiterleben und jeden Tag genießen.







