Du hast doch gar nicht viel nötig
Wie praktisch, dass du das so sagst! Ich spare jeden Euro für mich, gehe umher wie ein Gespenst, und du willst an deinem Geburtstag im Restaurant feiern? Das kann doch nicht billig werden.
Markus, das ist doch ein Jubiläum. Es muss etwas besonderes sein. Nicht jeden Tag wird man dreißig, erwiderte ihr Mann.
Und was habe ich vor einem Monat getan? So eine Schein-Party? Ich habe zu Hause ganz schön gefeiert, und du hast dich nicht beklagt.
Trude blickte Markus finster in die Augen, die Hände in die Hüften gestützt. Sie war wütend. Es ging nicht nur darum, dass sein Wunsch ein paar tausend Euro kosten würde. Im Gegenteil, Trude fühlte sich auf der Strecke wie eine ungeliebte Servicekraft oder eine verarmte Verwandte.
Und Markus bestätigte nur ihre Vermutung.
Du hast doch selbst gesagt, du brauchst nicht viel!
Die Frau stockte und zog die Augenbrauen hoch. Ja, das hatte sie gesagt aber nicht aus Luxus.
Genau, sagte Trude langsam. Ich habe gesagt, ich komme ohne neues Kleid aus, dass ich den Kuchen selbst backen kann, dass ich Maniküre und Pediküre ohne Kosmetiker erledige. Weil ich endlich in meine eigene Wohnung ziehen will, Markus! Nicht weil ich Armut mag.
Markus verzog verärgert die Lippen, als wolle er gar nicht weiter einsteigen. Er benahm sich wie ein launischer Teenager: Ich will das, Punkt. Und alles andere egal.
Du bist gerade erst achtundzwanzig, dir steht die ganze Welt offen. Ich habe ein rundes Datum, ich will, dass das wirklich ein Fest wird und nicht nur ein Kaffeekränzchen.
Trude senkte den Blick. Kaffeekränzchen genau das war es.
Sie erinnerte sich, wie sie die ganze Woche das Menü für ihren Geburtstag zusammengestellt hatte, die Einkaufsliste durchforstete. Gemüse kaufte sie im Angebot etwas nicht mehr ganz frisch, aber noch für Salat brauchbar. Sie suchte nach Aktionen, Gutscheincodes, verglich Preise in den Discountern. Der Kuchen wurde nach einem Internetrezept gebacken, mit Quark und KondensmilchFüllung. Nicht, weil Hausmannskost besser ist, sondern weil es billig war.
Trotz aller Sparmaßnahmen war der Geburtstag ein Treffer. Die Gäste lächelten, lobten die Salate, genossen die selbstgemachte Pizza. Auch Trude lächelte, im alten Kleid, die Nägel in billigem, durchsichtigem Lack.
Das Geld, das ihr geschenkt wurde, deckte fast alle Ausgaben. Trude tat so, als sei sie zufrieden. Doch später, allein in der Badewanne, brach sie in Tränen aus vor Selbstmitleid, vor Erschöpfung, vor dem ständigen Jonglieren mit Kleid, Frisur und Familienfeiern.
In den drei Jahren mit Markus war Sparen ihr zweiter Vorname geworden. Sie wusste, wie man mehr Cashback beim Brot rausholt, kaufte günstigen Schmelzkäse statt eines richtigen harten Käses und erkannte echte Aktionen von FakeAngeboten.
Kleidung? Egal, Hauptsache sauber und ohne Löcher. All diese Looks, Images und Marken sind nicht für diejenigen, die Zahnpasta zum Sparpreis suchen, nicht für die, die möglichst schnell ihr eigenes Nest haben wollen.
Ja, eine eigene Wohnung ist wichtig, unterstützte Markus sie. Dann wird man nicht mehr nach jeder Laune verjagt. Und man muss nicht die Hälfte des Gehalts für Miete opfern.
Nur war Markus Beitrag zum Familienbudget auf das monatliche Gehalt beschränkt. Das war zwar nicht wenig, aber Trude hörte von Paaren mit geteilten Finanzen, von Frauen, die für den Mutterschaftsgeld sparen mussten. Markus ging mit Geld um wie ein Jugendlicher, der alles für Chips und Cola ausgeben will.
Kein Wunder also, dass Trude kalkulierte, wie viel für Nebenkosten, Öffis und Essen weg ging. Sie schnitt Ausgaben zu, um den geplanten Betrag zu sparen. Sie ließ sich von Friseurschülern die Haare schneiden, um im Budget zu bleiben. Manchmal ging es schief, aber immer billig.
Sie kamen langsam voran, aber eher getrennt als gemeinsam. Trude sprach nie mit Markus über den Aufwand, den sie trieb, klagte nicht, beschwerte sich nicht. Sie schwieg, wenn er sich eine Pizza zum Mittag bestellte, weil er zu faul zum Kantinenessen war und sich selbst etwas gönnen wollte.
Weißt du, Markus Ich brauche wirklich nicht viel, sagte Trude und wandte den Blick ab. Ein bisschen menschlichen Respekt reicht. Ich mag sparen nicht, aber ich tue es für unsere gemeinsame Zukunft. Manchmal habe ich das Gefühl, wir haben keine Zukunft.
Ich arbeite doch, schnaufte Markus. Ich bringe Geld nach Hause. Was willst du noch? Habe ich nicht das Recht auf ein Fest?
Er merkte, dass sie nicht zu einem Kompromiss bereit war, und zog sich zurück ins Schlafzimmer. Trude blieb allein, im billigen Bademantel, mit der einzigen funktionierenden Lampe im Kronleuchter, und dachte an die Hypothek, die sie mit diesem Tempo kaum erreichen würden.
Ihr Herz war nicht nur von Schmerz, sondern auch von Zweifel durchwühlt. Vielleicht übertreibe ich ja? Vielleicht hat Markus recht?
Am nächsten Tag traf sie sich mit ihrer Freundin Rita. Trude wollte wenigstens mit jemandem reden.
Ich sehe ja, dass du nicht nur wegen des Linoleums hier bist, bemerkte Rita, als sie Trudes gedrückte Stimmung bemerkte. Was ist passiert?
Trude seufzte, legte die Hände auf den Tisch und schilderte die Szene vom Vortag. Sie erklärte, dass es ihr wehtue, wenn ein gemeinsamer Traum nur von einem getragen wird, dass Markus seinen eigenen Jubiläumstag höher stellt als ihren Geburtstag.
Du bist ja ein echtes Genie, grinste Rita schließlich. Also sparst du für dich und erwartest, dass er dich auf Händen trägt?
Wir sparen ja, begann Trude.
Ja, ja, unterbrach Rita. Du sparst, er gibt aus. Musst du ihm nicht einmal Danke sagen?
Trude zuckte mit den Schultern. Ihr Mann ist nicht dankbar, er denkt einfach, das sei normal. Die ganze Alltagsmagie läuft ja von selbst.
Er weiß, wie teuer es ist, Frau zu sein? hakte Rita nach. Maniküre, Pediküre, Frisur, Rasur, Kosmetik, normale Unterwäsche, nicht Omas Lätzchen Und das ist erst die Grundausstattung. Bist du für ihn Frau oder nur die praktische Hausfrau im abgenutzten Bademantel, die alles plant und organisiert?
Hör auf, versuchte Trude zu protestieren, doch ohne Nachdruck.
Ich hör nicht auf. Willst du wissen, warum er so laut vom Restaurant redet? Weil er weiß: Du wirst dich beugen. Du wirst die Unterwäsche bis zum Rand tragen, die Haare mit billiger Farbe nicht mehr färben, aber du beugst dich. Und er fühlt sich wie ein König, weil das Jubiläum im Restaurant stattfindet.
Und was soll ich tun? fluchte Trude.
Hör auf, so ein Weichei zu sein. Und such dir einen Liebhaber mit Wohnung. Das würde alles lösen.
Rita!
Okay, okay, nur ein Notplan. Hör auf, an dir zu sparen. Er will ins Restaurant? Dann gut, aber du brauchst ein Kleid, Schuhe, eine passende Tasche, Styling und goldene Ohrringe. Wenn du schon gehst, dann richtig. Du gehst doch nicht im Trainingsanzug mit gestreckten Knien?
Das Kleid ist klar, ich muss nur noch mein AbschlussballKleid finden
Markus, hörst du mich? Schluss mit dem Selbersparen!
Trude seufzte. Es fiel ihr schwer, so plötzlich zu wechseln, aber sie wusste, dass Rita ein Stück Recht hatte.
Na gut, ich probiere es
Am Morgen sagte Trude zu Markus, dass sie einen Termin im Salon machen wolle Maniküre, Haarschnitt, Styling. Er staunte, zuckte mit den Schultern.
Dann zeigte sie ihm die Schuhe, die ihr gefallen hatten.
Sieh mal, schwarze, universelle Schuhe. Passt zu fast jedem Kleid, und später kann man sie noch tragen.
Achttausend Euro?! Mark, für die Summe könnte ich mein gesamtes PCGedächtnis upgraden!
Was soll man machen? Es ist doch mein Geburtstag, ich muss schön aussehen. Und das Restaurant. Das Geschenk lässt du dir schenken, aber dein Jubiläum wird unvergesslich.
Zum Kleid Ich habe schon ein Boutique im Auge, du fährst mich hin, wir wählen zusammen aus.
Markus grummelte, widersprach nicht. Vielleicht hoffte er, sie würde umdrehen. Stattdessen prüfte er die Ohrringe, die sie ihm gleich zeigen wollte.
Was hältst du davon? Ganz schön, und dazu fast nichts, nur zwanzigtausend Euro. Andere kosten dreißig. Und dann noch eine Clutch dazu
Markus, sichtlich nervös, schluckte und murmelte:
Vielleicht doch das Restaurant Zu Hause ist auch nicht schlecht.
Trude lächelte nur. So beschlossen sie: leise, familiär feiern. Haben sie sich versöhnt? Nicht ganz, aber er hat etwas mitbekommen. Trude jedoch erkannte deutlich: Solange du dich nicht selbst respektierst, wird dich niemand respektieren.







