Hey, ich muss dir unbedingt von dem ganzen Wirrwarr mit dem Restaurant meiner Schwester Liselotte erzählen das ist ja ein richtiges Drama. Also, ihr Vater, der war früher ein ziemlich einflussreicher Typ in der GastroSzene von Hamburg. Er hatte mal nen kleinen Pub neben dem Hafen, dann baute er das berühmte Lokal Drei Orangen an der alten FischmarktStelle, wo früher nur Fischbuden standen.
Vor ein paar Monaten hat er Liselotte nach dem Studium das Geschäft übergeben, damit sie die Einkäufe für die Salate vom Markt besorgt. Er ließ sie nie in die Küche, weil er meinte, dort braucht man Profis. Und das war auch gut so, weil die Chefköchin, Zita Petersen, immer die besten Frikadellen machte die Leute aus ganz Hamburg kamen extra wegen ihrer Spezialität.
Als ihr Vater dann plötzlich verstarb, war das Erbe ein bisschen verwirrend. Er hinterließ Liselotte die Drei Orangen, die Wohnung und ein bisschen Geld auf dem Konto, aber das Restaurant eigentlich nur für das Projekt mit ein paar anderen einflussreichen Geschäftsleuten. Jürgen Braun, ein alter Freund der Familie, war sofort mit dabei und sagte: Kein Ding, wir kaufen dir das Lokal zu einem fairen Preis. Nur fair aus Sicht der Käufer, nicht aus Liselottes.
Ihr Vater hatte früher mehrere Bars in der Stadt betrieben, dann das große Restaurant am Alten Hafen eröffnet und später sogar ein bisschen in die Immobilienbranche investiert. Er hatte eine neue Freundin, eine erfolgreiche Chirurgin, die kaum etwas von seiner Gastronomie hielt. Deshalb stand das Restaurant im Testament nur Liselotte zu.
Nach dem Tod lief das Lokal zwar weiter ein erfahrener Manager übernahm, aber Liselotte wollte immer noch neue Gerichte ausprobieren und das Interieur modernisieren. Das Team mochte sie, weil sie freundlich und engagiert war, fast wie eine große Familie.
Dann kamen plötzlich neue Investoren, die Interesse zeigten. Und Jürgen, der eigentlich ihr Kindheitsfreund war und sie seit kleinen Zeiten im Freizeitpark mit den Fahrgeschäften begleitete, fing an, mit ihr über den Verkauf zu reden. Er war sogar Besitzer von ein paar dieser Fahrgeschäfte in verschiedenen Parks, also kannte er die Szene gut.
In ihrer Kindheit wirkten die einflussreichen Politiker und Unternehmer immer wie großzügige Onkel, die ihr teure Geschenke machten, wenn sie nur nach einem Spielzeug fragte. Jetzt wollten dieselben guten Onkel ihr das Restaurant klauen und das offen.
Ihr Mann, Kurt, der bei der Deutschen Bahn arbeitet, meinte immer: Dieses Lokal ist doch ein kriminelles Geschäft. Verkauf das für ein paar Euro, dann kann ich bei dem Bahnhof einen Imbiss eröffnen das läuft immer. Liselotte protestierte: Das ist das Andenken an meinen Vater, an unser Familienhaus. Kurt wies nur ab: Da schwimmen Haie, da gehst du besser nicht rein.
Jürgen kam immer wieder vorbei, aß seine Lieblingsklopse und zahlte scheinbar penibel, aber er drängte ständig auf einen Verkauf. Eines Tages sagte er: Du bist zu stur, Mädchen. Andere kommen schon. Und dann: Wir können dir das Restaurant einfach wegnehmen, das wird uns nichts kosten. Das war der Anfang.
Zuerst schickten sie ein paar finstere Typen, die das ganze Lokal durchwühlten, Kisten umstießen und behaupteten, Liselottes Vater schulde ihnen ein astronomisches Vermögen. Dann begannen abends in der Halle Kneipenkriege, laute Schläge und betrunkenes Gezänk, und die Kundschaft verschwand. Eines Morgens fanden die Angestellten das Restaurant verwüstet, alles war auf dem Boden verteilt nur die Weinflaschen blieben unberührt.
Liselotte meldete den Vorfall bei der Kriminalpolizei, und ihr alter Klassenkamerad Boris Pränznik, jetzt Polizist, nahm den Fall. Er meinte, Jürgen sei nur der Mittelsmann, weil er und Liselotte schon lange befreundet sind. Das eigentliche Problem sei ein großer Industrielle, der früher im Rathaus gearbeitet hat und jetzt Fabriken, Zeitungen und Schifffahrtslinien besitzt. Dieser Typ hat wohl einen Verräter im Team, weil das Schloss keine Spuren von Einbruch aufweist und die Alarmanlage deaktiviert war. Also gibt es wohl Bestechung oder Erpressung.
Kurz darauf drohte Kurt Liselotte mit einem Ultimatum: Verkauf das Lokal, sonst gehe ich. Er wurde sogar mehrmals von einem Typ mit Messer im Treppenhaus bedroht. Schließlich packte er seine Sachen, sogar seine Lieblingskaffeetasse, die Liselotte ihm einst geschenkt hatte, und verschwand.
Boris meinte daraufhin philosophisch: Ein Mann, der seine Wohnung nur wegen einer Kneipe belegt, hat zu viel Zeit. Ich habe mich vor einem Jahr von meiner Frau getrennt, verdiene wenig und bin kaum zu Hause. Er fragte, ob das Restaurant wieder aufgebaut sei Liselotte verneinte, es war schon lange repariert.
Dann lud Boris sie zu einem Essen ein, zahlte alles und bot an, die Security zu übernehmen, damit niemand mehr mit einer Axt reinkommt. Liselotte dachte, das sei vielleicht eine Chance, nicht sofort bei jeder Gefahr zu fliehen.
Ein halbes Jahr später tauchte ein ehemaliger Stadtbeamter auf, der nicht nur die Drei Orangen, sondern ein großes Einkaufszentrum und einen Untergrundparkplatz beanspruchte mit Unterstützung einer ganzen Bande. Der Vorwand war ein großer Schuldenberg, den der Barkeeper Viktor, ein Freund von Boris, hatte. Viktor musste die Alarmanlage ausschalten und einen Schlüssel nachmachen.
Eines Tages kam Jürgen vorbei, fragte nach dem Geschäft und erzählte, dass auch er ein schwaches Glied in seinen Fahrgeschäften habe. Er wurde erpresst und musste mitziehen.
Als er sich verabschiedete, fragte Jürgen noch: Wacht dich jetzt die Polizei? Ich habe gesehen, dass ein Typ im Anzug dein Büro betrat. Liselotte lächelte und antwortete: Ja, er wird von meinem zukünftigen Ehemann bewacht Boris. Unsere Hochzeit ist in einer Woche hier im Restaurant.







