„Nun werden Sie Ihren Enkel nur noch an Feiertagen sehen – verkündete die Schwiegertochter beim ersten Familientreffen“

Du wirst deinen Enkel nur an Feiertagen sehen, verkündete die Schwiegertochter beim ersten Familienabend, während sie die letzten Löffel Süßkartoffelsuppe abschöpfte.
Gisela, genug Salz! Sonst wird das noch zu ‘sauren’!

Nachbarin Klara stand am Herd und beobachtete besorgt, wie Gisela zum dritten Mal zur Salzstreuer über dem Topf mit Gulasch griff.

Ach, Giselchen, ich spür doch, noch reicht das nicht!
Du fühlst heute überhaupt nichts! Du bist ganz nervös! Lass mich lieber probieren.

Gisela trat vom Herd zurück, wischte sich die Hände an ihrer Schürze ab. Klara hatte recht ihre Hände zitterten, die Gedanken wirr, alles schien aus den Fingern zu rutschen. Und wie sollte man nicht nervös sein, wenn heute ein so wichtiger Tag war?

Ihr Sohn Andreas würde endlich seine Frau nach Hause bringen, um sie seiner Mutter vorzustellen. Die beiden hatten vor einem Monat still und leise im Standesamt geheiratet ganz ohne große Feier. Gisela war darüber ziemlich verletzt. Der einzige Sohn, und sie hatte nicht einmal bei der standesamtlichen Trauung zugeschaut. Andreas erklärte, dass seine Frau Lara das beschlossen hatte: Sie mag keine lauten Feiern, alles soll klein und gemütlich bleiben.

Nun, Gisela, probierte Klara den Gulasch, schmeckt ganz gut, sogar richtig lecker. Du solltest dich jetzt umziehen und die Haare richten, die Gäste kommen gleich.

Was, wenn sie mich nicht mag? Was, wenn ich ihr nicht gefalle?

Ach, du bist doch die goldene Schwiegermutter! Du mischst dich nicht ein, lebst dein eigenes Leben worum gehts denn überhaupt?

Gisela nickte und ging ins Schlafzimmer. Klara blieb in der Küche, um den Salat fertigzustellen. Glücklicherweise hatte die Nachbarin ihre Hilfe angeboten; allein hätte Gisela das nie geschafft.

Vor dem Spiegel stand sie: zweiundsechzig, graue Haare, feine Fältchen um die Augen. Eine ganz gewöhnliche ältere Dame. Andreas war ihr späte Sohn: er bekam sie mit fünfunddreißig, als er schon nicht mehr mit Kinderwünschen gerechnet hatte. Ihr Mann war vor zehn Jahren verstorben, seitdem lebte sie allein in einer kleinen Zweizimmerwohnung am Stadtrand von Hamburg.

Andreas war ein erfolgreicher Programmierer, verdiente gut, wohnte in einer schicken Wohnung im Zentrum, kam einmal pro Woche nach Hause, brachte Geld, Lebensmittel und reparierte, was kaputt ging.

Dann lernte er Lara kennen. Er erzählte begeistert von ihr: hübsch, klug, als Juristin tätig. Gisela bat um ein Foto, Andreas zeigte es auf seinem Handy. Sie war tatsächlich attraktiv, groß, schlank, dunkles Haar, auffälliges Makeup, doch die Augen wirkten etwas kühl.

Gisela zog ihr bestes, dunkelblaues Kleid mit weißem Kragen an, bürstete das Haar, trug ein bisschen Lippenstift. Sie musterte sich kritisch alles in Ordnung, ordentlich genug.

Um sechs Uhr klingelte die Türglocke. Gisela trocknete schwitzige Hände an ihrem Kleid und ging zur Tür.

Andreas stand mit Lara in der Tür. Lara war noch schöner als auf dem Foto, trug einen edlen Mantel, hohe Pumps und perfekt manikürierte Nägel.

Mutter, hallo! umarmte Andreas seine Mutter. Darf ich vorstellen: das ist Lara.

Guten Tag, sagte Lara, reichte die Hand. Der Händedruck war kühl und förmlich.

Hallo, meine Liebe! Komm rein, komm rein!

Gisela half, den Mantel abzunehmen, bot Hausschuhe an. Lara sah sich um, als würde sie die Wohnung prüfen, ihr Blick glitt über die alte Möbel, den abgenutzten Teppich, die ausgebleichten Vorhänge.

Wie gemütlich, sagte sie mit einem leicht spöttischen Lächeln.

Danke, liebste. Wir leben nicht im Palast, aber es ist sauber.

In der Küche bereitete Klara bereits den Tisch vor. Beim Anblick der Gäste lächelte sie.

Ach, das Brautpaar! Hallo, ich bin Klara, die Nachbarin.

Guten Tag, nickte Lara trocken.

Sie setzten sich. Gisela schöpfte den Gulasch, bot Salate an. Andreas aß mit großem Appetit, lobte.

Mama, wie immer köstlich! Ich hab dein Gulasch vermisst!

Iss weiter, mein Junge.

Lara steckte den Salat mit der Gabel an, nahm kleine Bissen.

Achten Sie auf die Figur? fragte Klara. Im Alter ist das wichtig.

Ich esse einfach nichts Fettiges und Braten, antwortete Lara. Achte auf meine Gesundheit.

Gisela fühlte einen Stich war ihr Essen zu fettig? Sie hatte immer so gekocht, Andreas liebte das.

Mama, wie geht es Tante Vera? Ist sie wieder gesund? wechselte Andreas das Thema.

Ja, besser. Ich habe letzte Woche bei ihr etwas Kuchen vorbeigebracht.

Eine peinliche Stille folgte. Lara legte die Gabel weg und sah Gisela an.

Gisela Petersen, Andreas hat gesagt, Sie sind im Ruhestand. Was machen Sie so?

Ach, ich schaffe den Haushalt. Gehe regelmäßig zum Hausarzt, mein Blutdruck springt. Treffe Nachbarn, ab und zu ins Theater, wenn das Geld reicht.

Und mit Enkeln? Haben Sie das nicht vor?

Gisela zuckte zusammen. Enkel! sie hatte so lange davon geträumt.

Natürlich! Ich würde mich freuen!

Gut, lächelte Lara. Denn ich bin im vierten Monat schwanger.

Gisela schnappte nach Luft. Klara strahlte. Andreas senkte den Blick.

Andreas! Warum hast du das nicht gleich gesagt?

Ich wollte, dass Lara es selbst erzählt.

Ach, wie schön! Herzlichen Glückwunsch! Gisela sprang auf, umarmte ihren Sohn, dann die Schwiegertochter. Lara nahm die Umarmung kühl, kaum ein Wort.

Sie setzten das Essen fort. Gisela war im siebten Himmel.

Ich helfe gern! Ich komme, halte dein Kind, koche für euch! Ihr arbeitet beide, das wird sicher schwer!

Lara trank Wasser, sah Gisela an.

Gisela Petersen, wir wollten das eigentlich besprechen. Wir haben ein paar Regeln.

Welche Regeln?

Ich habe viel Literatur zur modernen Erziehung gelesen. Andreas und ich wollen das Kind nach einem festgelegten Konzept erziehen.

Das ist gut, nickte Gisela. Ich habe nichts dagegen.

Genau. Deshalb bitten wir Sie, sich nicht in die Erziehung einzumischen. Keine altmodischen Ratschläge.

Gisela spürte, wie es kalt wurde.

Ich wollte doch nur helfen.

Helfen kann man anders, sagte Lara und wischte sich die Lippen ab. Wir nehmen Geld gern an, aber die Erziehung machen wir selbst.

Lara, das muss nicht so hart sein, misste Andreas ein.

Andreas, wir haben das besprochen, erwiderte Lara streng zu ihrem Mann.

Klara saß still, die Hände zu Fäusten geballt. Gisela sah, wie ihr die Luft weggezogen wurde.

Lara, ich bin doch Großmutter! Wie soll ich nicht Teil des Lebens meines Enkels sein?

Sie werden ihn nur an Feiertagen sehen Geburtstag, Weihnachten. Das reicht.

Gisela fröstelte. Nur ein paar Mal im Jahr?

Das ist ungerecht!

Rational, schnitt Lara ab. Ich will nicht, dass Sie den Enkel mit fettigem Essen vollstopfen, ihn in zu viele Kleider zwängen und mit Gruselgeschichten erschrecken.

Ich würde das nie tun

Alle Großeltern sagen das, tun dann aber ihr eigenes.

Andreas senkte den Kopf, sah schuldig aus.

Mama, sag ihr, dass ich eine gute Oma sein will!

Andreas, wir haben darüber nachgedacht. Es ist für alle besser.

Gisela konnte kaum fassen, dass ihr eigener Sohn das akzeptierte.

Im Ernst? flüsterte sie.

Mama, bitte Wir verbieten nicht das Treffen, nur nicht jeden Tag.

Nicht jeden Tag, wiederholte Gisela. Aber wie soll ich helfen, wenn ihr beide arbeitet?

Wir nehmen eine Nanny, zuckte Lara mit den Schultern. Das Geld haben wir.

Eine fremde Nanny! Ich bin die eigene!

Genau deswegen, erwiderte Lara. Fremde kann man kontrollieren, entlassen, wenn nötig. Verwandte halten sich gern einmischend.

Klara platzte.

Entschuldigung, aber Sie können nicht so reden! Gisela ist ein wunderbarer Mensch, sie hat so lange nach Enkeln gesehnt!

Frau Klara, das ist eine Familienangelegenheit, sagte Lara kühl. Bitte setzen Sie sich.

Klara wurde rot, schnappte sich ihre Tasche.

Gisela, ich gehe nach Hause. Wenn du willst, komm vorbei.

Als Klara ging, senkte sich eine schwere Stille. Gisela hielt die Hände verkrampft im Schoß, Tränen standen in den Augen, doch sie weinte nicht.

Ich habe mein ganzes Leben auf Enkel gewartet, flüsterte sie. Hab geträumt, mit dem Kinderwagen spazieren zu gehen, Märchen vorzulesen, Kuchen zu backen.

Lara seufzte.

Ich verstehe Ihre Gefühle, aber mein Ziel ist ein gesundes, glückliches Kind dafür braucht es klare Strukturen.

Bin ich also überflüssig?

Nicht überflüssig, aber aus der Ferne.

Gisela stand auf, schrie:

Raus!

Lara hob überrascht die Augenbrauen.

Ich sagte raus.

Raus aus meinem Haus, sofort.

Mama! schrie Andreas, Was machst du?

Ich will euch nicht mehr sehen, weder dich noch deine Frau.

Bitte, nicht so!

Ich sagte raus!

Lara griff nach ihrer Tasche.

Wie Sie wollen. Wir gehen.

Andreas blieb noch ein Moment, dann folgte er Lara.

Die Tür schlug zu, Gisela setzte sich auf den Stuhl und brach in lautes Schluchzen aus.

Klara kam nach einer halben Stunde zurück, fand Gisela an einem Tisch voller unberührter Speisen.

Gisela, mein Schatz, was ist passiert?

Wie konnte er das zulassen? Warum lässt er mich nicht bei meinem Enkel sein?

Vielleicht hat seine Frau ihn beeinflusst.

Klara umarmte sie, streichelte den Rücken.

Manche Schwiegertöchter sind heute so.

Gisela weinte noch lange.

Einige Wochen später rief Freundin Nina an. Sie kannten sich seit der Schulzeit, obwohl beide längst in verschiedenen Stadtteilen lebten.

Gisela, ich hörte, dein Sohn hat geheiratet!

Ja, und die Schwiegertochter ist, naja

Schlimm?

Sie ist nicht freundlich.

Was machst du jetzt?

Nichts. Ich will nicht streiten.

Nina dachte kurz nach.

Vielleicht solltest du dich zurückziehen, keine Anrufe mehr, keine Besuche. Zeig, dass es dir egal ist.

Aber das geht nicht!

Manche Frauen geben auf, wenn man sie ignoriert. Sie wollen, dass du dich auf die Knie wirfst.

Gisela überlegte.

Ein Monat verging. Sie kontaktierte Andreas nicht mehr, er rief ebenfalls nicht. Stolz hielt sie das durch. Sie ging zum Hausarzt, zum Supermarkt, zu Klara. Doch innerlich blieb ein Loch.

Eines Abends klingelte die Tür. Andreas stand dort, müde und gezeichnet.

Hallo, Mama.

Hi.

Darf ich rein?

Gisela ließ ihn ein.

Sie setzten sich an die Küche.

Ich wollte mich entschuldigen.

Wofür?

Für den Abend. Lara war zu hart. Das war nicht richtig von mir.

Aber du hast das erlaubt.

Ich weiß, es war mein Fehler.

Er sah sie ernst an.

Ich liebe dich, Mama, aber Lara meint, das ist das Beste für unser Kind.

Und was denkst du?

Ich bin zerrissen.

Gisela nickte, verstand.

Gut, ich will nicht stören.

Doch du bist willkommen.

Andreas ging.

Zwei Monate später stand Weihnachten vor der Tür. Gisela schmückte ihre kleine Wohnung, hängte Lichterketten auf, hoffte, dass Andreas sie einladen würde. Doch die Einladung blieb aus.

Am 31. Dezember feierte Gisela mit Klara Silvester, tranken Sekt, lachten.

Auf das neue Jahr, Gisela, möge es besser werden.

Ja, Klara.

Im Februar kam Lara mit ihrem Sohn Maxim. Sie schickte ein Foto: ein süßer Junge mit dunklen Haaren. Gisela weinte beim Anblick.

Möchtest du ihn besuchen? fragte Andreas am nächsten Sonntag.

Ja.

Gisela packte Geschenke, wickelte einen Schal ein, zog ihr schönstes Kleid an. Andreas holte sie in seinem Auto, sie fuhren schweigend. Gisela fürchtete, dass Lara sie wieder abweisen könnte.

Lara jedoch lächelte höflich.

Guten Tag, Gisela.

Hallo, meine Liebe.

Die Wohnung war geräumig, modern, mit teurer Einrichtung. Im Kinderzimmer stand ein Kinderbett, in dem Maxim schlief.

Darf ich ihn halten? flüsterte Gisela.

Besser nicht, er schläft. Weck ihn nicht.

Ich wäre leise

Gisela, bitte nicht.

Gisela zog sich zurück, ließ den Jungen schlafen. Sie setzten sich, tranken Tee, Lara erzählte von der Geburt, vom Stillen sie gab keine Milch, wollte die Figur behalten. Gisela wollte etwas sagen, hielt sich zurück.

Plötzlich wachte Maxim auf, weinte. Lara brachte ihn ins Wohnzimmer, gab Gisela die Hände.

Kann ich ihn halten?

Moment.

Gisela hielt das Kind an die Brust, spürte die Wärme, Tränen stiegen.

Wie süß du bist, flüsterte sie.

Lara nahm ihn nach kurzer Zeit zurück.

Er muss essen.

Abends fuhr Andreas Gisela nach Hause.

Wie war es?

Wunderbar.

Ich weiß, es ist schwer. Lara hat das Recht, Entscheidungen zu treffen.

Ich verstehe.

Wir laden dich ein, nicht oft, aber trotzdem.

Gisela lächelte traurig.

Klara kam später, fragte nach dem Kind.

Schön.

Und die Schwiegertochter?

Kühl.

Gisela überlegte, ob sie sich zurückziehen sollte.

Vielleicht soll ich einfach meine Würde bewahren.

Genau.

Aber was ist mit dem Enkel?

Er wird dich irgendwann von allein suchen. Kinder spüren, wer sie liebt.

Gisela wollte das glauben.

Ein halbes Jahr verging. Maxim war acht Monate alt, Gisela sah ihn nur zu Geburtstag, Taufen und manchmal zufällig, wenn Andreas ihn einlud. Jeder Besuch war ein kurzer, kontrollierter Moment. Lara bestimmte, was Gisela geben durfte, was nicht.

Eines Tages rief Andreas an.

Mama, die Nanny ist krank. Kannst du morgen drei Stunden mit Maxim babysitten?

Gisela konnte es kaum fassen.

Natürlich!

Andreas gab ihr einen genauen Plan: Fütterungszeiten, Schlafzeiten, erlaubte Spiele alles streng nach Vorgaben.

Gisela hielt sich an die Anweisungen, doch merkte, dass Maxim zögerlich war, kaum lachte, fürchtete sich vor kleinen Freuden.

Darf ich ihm ein Bonbon geben?

Nein, Mama, das ist nicht erlaubt.

Aber ein kleines Stück?

Nein, das Mama verbietet.

Langsam entwickelte Maxim eine Angst vor Freiheiten. Gisela wollte ihm das Gegenteil zeigen: ein bisschen mehr Essen, ein bisschen länger spielen, ein Märchen, das nicht im Plan stand.

Lara rief jeden Abend an.

Wie geht es Maxim?

Gut, er isst, schläft.

Hältst du dich an den Plan?

Natürlich.

Gut, lass ihn nicht verwöhnen.

Gisela legte die Hörer auf, seufzte. Sie erzählte Lara kleine Notlügen, um ein bisschen mehr Freiheit zu geben.

Zwei Wochen später kam Andreas zurück, um Maxim abzuholen.

Ich will nicht mehr, ich will bei Oma bleiben, weinte der Kleine.

Du musst nach Hause, sagte Andreas streng.

Aber ich will bei dir bleiben!

Gisela tröstete ihn, versprach, dass er bald wieder kommen würdeUnd so wartete Gisela geduldig auf die nächsten kurzen Besuche, wissend, dass das Leben oft die schönsten Momente in winzigen Portionen serviert.

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