Ich überprüfte die Geolokalisierung meines Mannes, der „angeln“ war, und fand ihn vor der Tür des Krankenhauses.

Als ich die OrtungsApp meines Mannes überprüfte er hatte geangelt und war angeblich am Bodensee stand er plötzlich vor den Türen des städtischen Geburtshilfekrankenhauses.

Warum ist in der Leistungsabrechnung ein Betrag von dreißigtausend Euro weniger als im Kostenvoranschlag?, schaltete Grete Linder, die mit eisigem Ton über das Telefon den Bauleiter ihres neuesten Projekts befragte. Wir haben ja italienische Feinkeramik, Artikelnummer 712, abgestimmt. Was haben Sie denn eingebaut? Chinesische Nachahmung?

Frau Linder, das ist doch kein großes Ding, schmiegte sich der Bauleiter ins Ohr. Sie sieht doch fast identisch aus, ein echter SchnäppchenDeal! Ich biete Ihnen die Hälfte der Rückvergütung an, keiner merkt es.

Ich merke es, schnitt Grete ihm kalt ab. Setzen Sie die Fliesen bis morgen Mittag aus, sonst sehen wir uns vor Gericht. Und glauben Sie nicht, dass Sie nur den Auftrag, sondern auch Ihre Lizenz verlieren.

Sie legte auf, ohne auf seine Gegenrede zu warten. Ihre Hände zitterten vor Zorn so läuft das immer. Man steckt Herz und Seele in jedes Detail, schlaflose Nächte, plant jeden Quadratzentimeter des künftigen Interieurs und dann kommt ein Handwerker daher, der versucht, einen dicken Fisch zu fangen, während er einen für dumm hält. Ein Designer muss eiserne Nerven und einen Stahlwillen haben; beides hatte Grete im Überfluss. Nach zwanzig Jahren im Beruf hatte sie gelernt, ihre Projekte zu verteidigen und die dreistesten Subunternehmer zurückzuschieben.

Erschöpft und wütend kam sie spät nach Hause. Am Tor erwartete ihr Thomas, ihr Ehemann, mit einer Tasse ihres geliebten Pfefferminztees.

Wieder ein Krieg? lächelte er sanft, nahm ihr schweres Musterpaket vom Arm und sagte: Komm rein, meine Walküre, das Abendessen steht.

Thomas war das komplette Gegenstück zu ihr: ruhig, häuslich, ohne große Karriereambitionen. Er arbeitete als ProjektIngenieur in einer ruhigen Berliner Bürofirma, bekam ein bescheidenes, aber sicheres Gehalt und schien in ihrem kleinen, gemütlichen Leben völlig zufrieden zu sein. Er war die Oase der Stille, zu der sie nach ihren täglichen Schlachten zurückkehrte.

Seit zweiundzwanzig Jahren waren sie verheiratet, hatten einen Sohn, der jetzt in Köln studierte. Das Leben verlief gleichmäßig, ohne größere Aufs und Abs. Grete baute ihre Karriere aus, Thomas sorgte für ein verlässliches Fundament. Er empfing sie stets mit dem Abendessen, hörte ihre endlosen Geschichten über den falschen Beigeton und beschwerte sich nie darüber, dass sie tagelang im Büro verschwand. Ein perfekter Ehemann, dachten alle Freunde und Grete selbst.

In letzter Zeit jedoch wirkte er nachdenklich und distanziert. Er hatte ein neues Hobby entdeckt: Angeln. An jedem Wochenende fuhr er mit seinem Kumpel Klaus zu einem See.

Thomas, fängt man im November überhaupt etwas? fragte Grete neugierig.

Was soll’s? Der Fisch beißt jetzt besonders gern. Ein bisschen Ruhe, ein bisschen Nachdenken. Du könntest auch mal abschalten.

Grete widersprach nicht. Sie packte ihm einen Thermobecher mit heißem Tee, wickelte Brote ein und ließ ihn gehen mit leichtem Herzen und dem Gedanken, ihm etwas Freiraum zu gönnen.

An diesem Samstag fuhr Thomas wieder früh los. Grete, nach einem dringenden Auftrag, beschloss, den Tag für sich zu nutzen. Ein kurzer Stopp beim Friseur, dann ein ausgiebiger Einkauf im großen Warenhaus. Zwischen den Regalen drehte sie in Gedanken das Wochenmenü durch. Sie wollte Thomas anrufen, fragen, ob er etwas für seine Rückkehr brauchte. Sie wählte die Nummer. Ständiges Klingeln, dann Stille.

Normalerweise nahm er sofort ab. Ein leichtes Unbehagen keimte auf. Was war passiert? War das Eis dünn, das Auto im Schlamm? Sie erinnerte sich, dass sie vor einem halben Jahr eine FamilienTrackerApp installiert hatten, um den studierenden Sohn im Blick zu behalten. Bisher kaum genutzt, doch jetzt

Auf der Karte erschienen drei Punkte: ihrer, des Sohnes im Studentenwohnheim und überraschend von Thomas. Sein Punkt lag nicht außerhalb der Stadt, nicht am See, sondern im Stadtteil PrenzlauerBerg, vor einem unscheinbaren Gebäude. Grete zoomte heran. Der Pin zeigte auf die Straße Blütengasse, Haus7. Sie tippte die Adresse in die Suche ein und das Telefon blendete das Ergebnis ein: Klinik für Geburtshilfe5.

Fehler, dachte sie zuerst. Eine fehlerhafte App, ein Bug. Vielleicht hatten Klaus und sein Freund gerade einen neuen Enkel besucht? Warum dann das Angeln lügen?

Sie versuchte es erneut, doch das Telefon war ausgeschaltet. Die Sorge wurde zu kalter, klebriger Angst. Sie ließ den Einkaufswagen mitten im Gang stehen, eine Frau mahnte sie, doch Grete hörte nicht hin. Sie rannte zum Auto, die Hände zitterten so stark, dass sie den Schlüssel kaum ins Zündschloss stecken konnte.

Den ganzen Weg hin dachte sie sich immer wieder: Das ist nur ein Missverständnis. Sie stellte sich tausend logische Szenarien vor: einen kaputten Wagen, ein Unfall, ein falscher Termin aber nie das, was ihr Herz sofort erfasste.

Sie parkte gegenüber der Klinik. Ein typisches, gelb-rotes Backsteingebäude, auf dem der Eingangsbereich mit Blumen und Luftballons gefüllt war. Glückliche Väter, Großeltern, stolze Eltern. Grete saß im Auto, zu zögern, weil sie fürchtete, was ihr Leben ein bis dahin perfekt gestaltetes Interieur erschüttern könnte.

Und dann sah sie ihn.

Aus den Türen der Klinik trat Thomas, nicht in einer Angeljacke, sondern in seiner besten Hemd, das Grete am Vorabend noch gebügelt hatte. Neben ihm eine junge Frau, etwa fünfundzwanzig, mit einem müden, aber glücklichen Gesicht. In Thomas Händen hielt er einen weißen Umschlag, gebunden mit einer blauen Satinbinde.

Auf der Türschwelle wartete eine ältere Dame, vermutlich die Mutter der jungen Frau, und umarmte Thomas herzlich. Er strahlte dieses strahlende Lächeln, das Grete seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hatte, das Lächeln, das er hatte, als er mit ihrem kleinen Lukas aus dem Krankenhaus kam.

Durch die Windschutzscheibe sah Grete diese Szene. Die Welt um sie herum verschwamm: keine Autos, keine Menschen, keine Stadt nur dieser Bildausschnitt: ihr Mann, eine fremde Frau, ein fremdes Kind und sie, betrogen, verleumdet, in ihrem eigenen Auto, das sie mit ihrem eigenen Geld gekauft hatte.

Sie stieg nicht aus, kein Drama, kein lauter Aufschrei. Ihr stählerner Wille, geschärft durch endlose Auseinandersetzungen mit Bauleitern und Kunden, flüsterte ihr etwas anderes zu: Nicht schreien, sondern handeln kalt, kalkuliert, gnadenlos.

Sie fuhr zurück in ihre gemeinsame Wohnung, die sie immer noch als ihre Festung betrachtete. Alles war von ihr selbst ausgewählt, mit ihrem Geld bezahlt und erinnerte an ihn. Sie ging zum Bücherregal, wo stolz seine Modellsegelschiffe standen, die er seit Kindertagen sammelte. Sie griff nach dem größten, einem prächtigen Fregattenmodell, und schleuderte es mit voller Wucht auf den Boden. Das Schiff zersplitterte in hunderte Stücke und ein befreiendes Aufatmen ging ihr durch die Glieder.

Jetzt begann sie zu arbeiten, methodisch wie beim Erstellen einer Kalkulation. Zuerst rief sie ihren Anwalt an.

Herr Dr. Krause, guten Tag. Ich brauche sofort Ihre Hilfe Scheidungsangelegenheit und Vermögensaufteilung.

Dann öffnete sie ihren Laptop, loggte sich in das OnlineBanking ein und transferierte das gesamte gemeinsame Geld vom Gemeinschaftskonto auf ihr Privatkonto. Das Passwort war das Datum ihrer Hochzeit ironisch, aber passend. Ebenso übertrug sie das restliche Geld von ihrer Gehaltskarte, ließ jedoch genau tausend Euro auf dem Gemeinschaftskonto für Brot und Butter für den Angler.

Anschließend packte sie Thomas Sachen zusammen: zerknitterte Hemden, Angelruten, die lächerlichen Modellschiffe alles in große Müllsäcke. Sie rief ein Umzugsunternehmen, das die Kisten zur Adresse seiner Mutter in Dresden brachte.

Als die Wohnung leer und dumpf geworden war, setzte sie sich auf das Sofa und ließ endlich die Tränen frei. Sie weinte nicht aus Verletztheit, sondern aus Wut auf sich selbst, aus Enttäuschung über ihr eigenes Vertrauen. Wie konnte die scharfsinnige Projektleiterin zu Hause so blind sein?

Am Abend klingelte das Telefon. Thomas Stimme klang verwirrt und ängstlich.

Grete, ich versteh das nicht Ich kam nach Hause und meine Sachen sind weg, das Konto ist leer. Was ist passiert? Wurden wir ausgeraubt?

Wir wurden nicht ausgeraubt, Thomas, antwortete sie kühl, steinig wie Stahl. Ich habe nur das Design geändert. Alles Überflüssige entfernt.

Was für Überflüssiges? Wo sind meine Sachen? Wo ist das Geld?!

Deine Sachen liegen bei deiner Mutter. Das Geld nenn es Unterhalt für dein neugeborenes Kind. Ich war heute zufällig im fünften Geburtshilfekrankenhaus. Sehr rührend, gratuliere. Hoffe, du hattest einen guten Fang.

Für ein paar Sekunden herrschte erstickende Stille.

Grete ich ich erklär das alles! Das ist nicht, was du denkst!

Ich brauche keine Erklärungen. Morgen ruft mein Anwalt an, um die Scheidung zu finalisieren. Such mich nicht mehr und lösch die Nummer.

Sie legte auf, blockierte ihn und ging in die Küche. Dort holte sie einen Block Zeichenpapier, ihre Lieblingsstifte und begann, den Entwurf ihres neuen Lebens zu zeichnen ohne ihn, ohne Lügen, ohne Kompromisse. Der Farbton würde nicht fast gleich, sondern der einzig wahre Farbton ihrer Freiheit sein.

Verrat durch einen geliebten Menschen schmerzt immer. Doch genau dieser Stich kann die Stelle sein, an der ein neuer, echter Lebensabschnitt beginnt. Wie würdet ihr an Gretes Stelle handeln? Würdet ihr auf Erklärungen warten oder ebenso entschlossen reagieren? Teilen Sie Ihre Meinung das ist wichtig. Und falls diese Geschichte Sie berührt hat, folgen Sie uns und geben Sie einen Daumen hoch.

Оцените статью
Ich überprüfte die Geolokalisierung meines Mannes, der „angeln“ war, und fand ihn vor der Tür des Krankenhauses.
Никто не мог предположить жуткую правду — и всё в приюте замерло