Ich dachte, wir wären Freundinnen, doch du hast meinen Mann entführt!

10. Oktober 2025
Liebes Tagebuch,

ich sitze hier in meiner kleinen Zweizimmerwohnung in Köln und höre, wie die Tür hinter mir knarrt. Die Stille nach dem Streit zwischen meiner ExPartnerin Marta und ihrer Tochter Lenchen ist fast greifbar. Es fühlt sich an, als würde jeder meiner Atemzüge das alte Haus erschüttern, das wir einst zusammen gebaut haben.

Ich dachte, wir wären Freundinnen, und du hast meinen Mann weggeschnappt! brüllte Lenchen, ihre Stimme zerriss die Luft. Marta schloss das Skizzenalbum mit einem lauten Knall und warf ihm vor: Für dich ist das alles nur Kinderspiel, ein bisschen Schmiererei!

Marta legte die Hände an die Schläfen, ihr Kopf dröhnte wie ein Gong. Ich meine es nicht so, Lenchen, sagte sie müde, der Beruf des Designers ist wankelmütig. Heute gibts Aufträge, morgen nichts. Ein Buchhalter ist ein sicheres Stück Brot immer.

Lenchen sprang vom Stuhl, Funken sprühten aus ihren Augen. Dein Brot, nicht meins! Ich will nicht mein Leben über Zahlen verbringen. Ich will kreieren, Schönes erschaffen! Tante Sabine versteht mich sie ist die Einzige, die an mein Talent glaubt!

Marta zuckte zusammen, ihr Herz zog sich zusammen bei dem Namen Sabine. Sabine, die langjährige Freundin aus der Schulzeit, war in den letzten Monaten zu Lenas größtem Vorbild geworden, fast mehr als ihre leibliche Mutter.

Sabine lebt in einer anderen Welt, meine Kleine, fuhr Marta fort, sie betreibt ein erfolgreiches Studio, kann über hohe Dinge reden. Wir leben von Gehalt zu Gehalt.

Genau das will ich nicht! schrie Lenchen, griff nach ihrer Jacke und stürmte zur Tür.

Als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel, hüllte sich die Wohnung in ein klingendes Schweigen. Marta ließ sich auf den Stuhl fallen, hielt den Kopf in den Händen. Mit fünfundvierzig Jahren trägt sie seit zehn Jahren die Last allein. Nachdem ihr Mann Thomas, Lenas Vater, das Haus verlassen hatte, blieb nur ein Berg unbezahlter Rechnungen und ein vages Es tut mir leid, wir sind fremde Menschen geworden zurück. Sie arbeitet in der Stadtbibliothek, nimmt Nachtdienste als Korrektorin an und verzichtet auf alles, nur damit Lenchen nichts fehlt.

Sabine war stets für Marta da. Sie hatten zusammen an einem Schultisch gesessen, Sabine war die helle, selbstbewusste, Lenchen die stille, häusliche Marta. Als die Scheidung kam, zog Sabine Marta aus dem Sog der Verzweiflung. Sie brachte Lebensmittel, unternahm Spaziergänge, lauschte stundenlang Lenas Weinen. Wir schaffen das, Marta, drückte sie sie fest, er wird noch jammern, wenn er sieht, welche Frau er verloren hat.

Marta glaubte ihr und fand neue Kraft für ihre Tochter. Sabine wurde fast zur Patenttante, zur Patin der kleinen Lenchen, immer bereit, zu trösten und zu helfen.

Am Abend blickte Marta aus dem Fenster. Die Stadt leuchtete, wo Lenchen wahrscheinlich schon in Sabines gemütlichem Atelier im Herzen von Köln war, wo nach teurem Espresso und Haarpflegeprodukten leise Musik spielte und über Kunst diskutiert wurde, ohne an Rechnungen zu denken.

Das Handy vibrierte auf dem Küchentisch. Eine Nachricht von Sabine: Lenchen ist bei mir. Keine Sorge, ich rede mit ihr. Alles wird gut. Ein Stich von Ärger mischte sich mit Dankbarkeit. Einerseits war sie erleichtert, dass ihre Tochter in sicheren Händen war; andererseits ärgerte es sie, dass Sabine wieder zur Friedensstifterin wurde, während sie sich selbst machtlos fühlte.

Marta goss sich einen günstigen Kräutertee ein, setzte sich an den Tisch und starrte auf das alte Foto in dem Rahmen: Sie, Thomas und ein kleines Lenchen, glücklich und unbeschwert. Thomas, groß, dunkelhaarig, mit lachenden Augenfalten, liebte Jazz, starken Kaffee und Reiseführer. Eines Abends packte er plötzlich einen Koffer, sagte, er müsse allein sein, und kam eine Woche später zurück, um zu sagen, er werde nicht mehr zurückkehren.

Sabine erschien plötzlich im Küchenfenster, strich ihr beruhigend über den Arm und flüsterte: Er ist ein Dummkopf, Marta, nur ein Dummkopf. Du wirst noch deinen Richtigen finden. Marta hatte jedoch nie jemanden gefunden, denn ihr Leben drehte sich um Lenchen.

Die nächsten Tage verliefen in angespannter Stille. Lenchen kam von der Schule, aß, schloss sich in ihr Zimmer. Marta wagte es nicht, das Gespräch zu beginnen, aus Angst vor neuer Zank. Am Samstagmorgen klingelte Sabine.

Marta, hallo! Ich habe hier eine Notfallsituation die Reinigungsfrau ist krank, und die Gesundheitsbehörde macht heute Kontrolle. Kannst du aushelfen? Und bring Lenchen gleich mit, sie wollte ja zu mir.

Marta zögerte, fühlte Schuld und Pflicht. Doch die Idee, endlich mit ihrer Tochter in neutraler Umgebung zu reden, wog schwerer. Sie sagte zu: Ich komme in einer Stunde.

Sabines Salon Kleopatra in der Hohenzollernstraße glänzte im Licht, der Duft von Blütenduft lag in der Luft. Sabine, stets makellos im Anzug, erwartete sie am Eingang.

Marta, meine Retterin!, drückte sie ihr die Wange. Zieh dir etwas Bequemes an, wir haben nur Staub zu wischen und Böden zu putzen.

Marta wechselte in die Hinterkammer in ein altes TShirt, nahm den Mopp und begann zu arbeiten. Trotz ihrer Bewunderung für Sabines Erfolg fühlte sie das Gewicht ihrer eigenen Unsicherheit stärker denn je.

Gerade als sie den Boden wischte, kam Lenchen herein, sah die Mopp in Marias Hand und zog die Miene finster zusammen.

Müssen wir reden? fragte Marta leise.

Worüber? Darum, dass ich meinen Traum aufgeben und ein langweiliges College besuchen soll?

Nein, über uns.

Sabine trat aus ihrem Büro, hielt zwei Handys in der Hand.

Mädels, nicht streiten!, lächelte sie beschwichtigend. Marta ist nur besorgt, Lenchen ist noch ein Kind mit großen Träumen. Lass uns einen Kaffee trinken.

Sie stellte die Telefone auf den Thekenplatz. Einer der Bildschirme leuchtete plötzlich auf: Eine kurze Nachricht von einer Nummer I. Vermisse deinen Kaffee und dich. Ein rotes Herz glomm daneben. Martha spürte ein Zittern in der Brust. War das Thomas? Sie schüttelte den Gedanken ab; Sabine hatte ja einen Freund, von dem sie sprach, einen komplizierten, geschiedenen, aber interessanten Mann.

Das Gespräch zwischen Marta und Lenchen kam an diesem Tag nicht zustande. Sie tranken Kaffee, Sabine plauderte über neue Frisuren, Lenchen nickte, während ein unsichtbarer Wall zwischen Marta und den Menschen, die ihr am nächsten standen, weiter wuchs.

Zuhause fand Marta ihre alte Notizbuch, dort die Telefonnummer von Thomas, die sie seit Jahren nicht mehr gewählt hatte. Ein kurzer Impuls ließ sie das Gerät heben, doch sie legte es wieder hin.

Einige Tage später lud Sabine Marta und Lenchen zu einem Kinobesuch ein. Im dunklen Saal sah Marta, wie Sabine heimlich auf ihr Handy schrieb, immer wieder das I. in der Empfängerzeile. Nach dem Film setzten sie sich in ein Café.

Ich glaube, ich habe mich verliebt, plapperte Sabine, rührte Zucker in den Kaffee. Er ist zuverlässig, klug, gibt mir das Gefühl, hinter einer Mauer zu stehen.

Wer ist er?, fragte Lenchen neugierig.

Ein Fremder, nicht aus unserer Runde, kam erst kürzlich zurück nach Köln, nach vielen Jahren im Norden.

Marta erinnerte sich: Thomas hatte nach der Scheidung als Bohrarbeiter in Sondershausen im Norden gearbeitet. Ein zu großer Zufall? Ein Schauer lief ihr über den Rücken.

Wie heißt er?, drängte sie, bemüht, gleichgültig zu klingen.

Thomas, kam die kurze Antwort, und Sabine wechselte sofort das Thema: Übrigens, die Kunstschule sucht neue Schüler für Vorbereitungskurse. Vielleicht interessiert dich das, Lenchen? Ich kann die Kosten übernehmen.

Marta hörte nicht mehr zu. Der Name Thomas ließ das Bild von Sabines Lächeln, das sich über den Rücken ihrer besten Freundin legte, in ein scharfes, hässliches Porträt verwandeln. Sabine schien Lenchen gegen sie aufzubringen, ihre eigenen Träume zu fördern, während sie selbst den eigenen Mann zurückholte.

Lenchen bemerkte Marias Veränderung.

Mama, was ist los? Du siehst blass aus.

Nichts, murmelte Marta, nur Kopfschmerzen. Lass uns nach Hause gehen.

Zu Hause schloss sie sich im Bad ein, ließ das warme Wasser laufen und weinte laut. Es war nicht nur Ärger über Thomas, sondern ein tiefer Verrat durch die Menschen, denen sie vertraute. Der Mann, den sie einst liebte, war für sie längst tot. Sie weinte um die Freundschaft, die zerbrochen war, um ihre Naivität, die Jahre lang blindes Vertrauen in einen Mann, der ein Doppelleben geführt hatte.

Sie beschloss zu handeln, aber nicht mit einem lauten Aufschrei. Sie wollte Bestätigung, ein unwiderlegbares Zeichen.

Eine Woche später feierte Sabine ihren Geburtstag in einem gehobenen Restaurant am Rhein, und natürlich lud sie Marta und Lenchen ein.

Kommt unbedingt, Marta! Ich stelle euch meinen Thomas vor, ihr werdet ihn lieben!

Marta fühlte, wie die Luft dünner wurde. Sie wählte ein Kleid, schminkte sich, sah im Spiegel ein fremdes Gesicht mit glasigen Augen. Lenchen zog fröhlich umher, ahnungslos, was kommen würde.

Im Restaurant strahlte Sabine in einem silbernen Kleid, schwebte von Tisch zu Tisch. Als sie Marta sah, rief sie: Endlich! Kommt herein, ihr seht fabelhaft aus! Hier ist Thomas.

Thomas, inzwischen grau meliert, stand dort. Sein Blick blieb kurz an Marta hängen, dann flackerte ein Ausdruck von Überraschung, Scham und Schuld.

Marta?, flüsterte er.

Guten Tag, erwiderte sie kühl, sah ihm fest in die Augen.

Sabine war sprachlos, drehte sich zwischen ihnen hin und her.

Kennt ihr euch? fragte sie.

Mehr als das, sagte Marta mit beißendem Lächeln. Er ist mein ExMann, Lenches Vater.

Ein schwerer Schwebezustand legte sich über den Saal. Die Musik verstummte, alle Blicke ruhten auf dem Trio. Sabines Gesicht blasste, Lenchen schwankte zwischen Mutter, Vater und ihrer geliebten Tante Sabine.

Ist das wahr?, flüsterte Lenchen.

Ja, Tochter. Dein Vater.

Marta trat zu Sabine, die mit Thomas Hand festklammernd balancierte.

Herzlichen Glückwunsch, meine Freundin, sagte sie leise, ich dachte, wir seien Freundinnen. Stattdessen hast du mir meinen Mann zurückgebracht, während du meine Tränen getrocknet hast. Wie leicht war das für dich, mit dem Ehemann deiner besten Freundin hinter ihrem Rücken zu sein und mir Ratschläge zu geben, wie ich den Verrat überstehen soll?

Sabine stammelte: Ich ich wusste nicht, wie ich es sagen soll Das war ein Versehen.

Versehen?, schnitt Marta ab. Du wusstest es. Du hast alles gesehen.

Sie wandte sich zu Thomas.

Du bist ein Feigling, der von einer Frau zur nächsten hopst, ohne Rücksicht. Du hast uns beide verletzt.

Marta ergriff Lenchen bei der Hand, die Tränen in den Augen.

Komm, wir gehen, mein Kind.

Sie verließen den Saal, während Gäste verwirrt zusahen. Am Ausgang drehte sich Marta noch einmal um. Sabine stand allein, Thomas senkte den Blick und verschwand.

Der Heimweg war still. Lenchen brach in Tränen aus.

Mama, wie konntest du das zulassen? Tante Sabine und Papa?

Marta streichelte ihr Haar.

Manche Menschen tun schreckliche Dinge, sogar die, die wir lieben. Wichtig ist, dass wir uns noch haben.

In jener Nacht saßen wir lange in der Küche, sprachen über mein Leben mit Thomas, über die Freundschaft zu Sabine, nichts auszulassen. Lenchen hörte zu, ihr kindlicher Groll wandelte sich zu reifem Verständnis.

Am nächsten Tag brach Sabine den Kontakt ab. Ich ignorierte ihre Entschuldigungen. Kurz darauf klopfte Thomas an unsere Tür.

Marta, wir müssen reden, sagte er.

Wir haben nichts mehr zu besprechen, schnitt ich. Geh.

Er fluchte, aber ging. Ich schlug die Tür hinter ihm zu und spürte, wie ein riesiger Stein, den ich jahrelang getragen hatte, endlich fiel.

Das Leben geht weiter. Die Leere, die Sabines Weggang hinterließ, lässt sich nur schwer füllen. Manchmal greife ich zum Telefon, um alte Freundschaften zu pflegen, doch das war vorbei.

Lenchen und ich sind jetzt näher als je zuvor. Sie hat einen kleinen Nebenjob als Porträtkünstlerin im Internet gefunden. Heute legte sie mir eine Mappe Geld auf den Tisch.

Hier, Mama, das ist für den Vorbereitungskurs. Ich habe es selbst verdient.

Ich sah ihr ernstes Gesicht, Tränen stiegen in meine Augen.

Du bist mein ganzer Stolz, flüsterte ich.

Nein, Mama, du bist mein Stolz, erwiderte sie und umarmte mich fest. Du bist die Stärkste.

Ich hielt sie im Arm und begriff, dass ich nicht alles verloren hatte. Ich verlor eine Freundin und Illusionen, aber ich gewann etwas viel Wertvolleres den Respekt und die Liebe meines Kindes. Das ist das Wichtigste. Das Leben wird weiterhin hart sein, doch zusammen können wir jede Herausforderung meistern.

Lehre des Tages: Vertraue nicht blind, aber halte fest an den Menschen, die dich wirklich lieben, denn wahre Stärke liegt im Aufstehen nach jedem Fall.

Оцените статью
Ich dachte, wir wären Freundinnen, doch du hast meinen Mann entführt!
Shh… Do You Hear That? Someone’s Rustling Around!» — Alarmed Voices Whispered as Passersby Approached the Pram by the Dustbin.