Morgen zur zukünftigen Schwiegermutter fahren. Verheiratete Freundinnen haben mich so sehr beruhigt, dass ich fast um meinen Verstand gebracht wurde:

Morgen fahre ich zu meiner zukünftigen Schwiegermutter. Meine verheirateten Freundinnen versuchen, mich zu beruhigen, doch fast bringe ich mich fast um den Verstand zu bringen:
Denk dran, halte die Nase hoch, du wurdest nicht im Müll gefunden
Lass dir nicht die Kehle zuschnüren, setz gleich alle Punkte über das i.
Gute Schwiegermütter gibts ja kaum
Du hast sie glücklich gemacht, nicht umgekehrt.
Die Nacht war schlaflos, bis zum Morgen sah ich aus, als wäre ich schöner begraben worden. Auf dem Bahnhof traf ich Lukas, wir stiegen in den Regionalzug. Zwei Stunden Fahrt.

Der Zug fuhr durch ein kleines Dorf, dann über ein borniertes Moor. Die Luft war eisig, roch nach Tannengrün und Glühwein. Der Schnee glitzerte in der Sonne, knirschte unter den Stiefeln. Die Tannenzweige rauschten leise. Ich fror, doch zum Glück tauchte ein winziges Dorf auf.

Eine knuffige, spindeldürre Oma in einer abgerissenen Strickjacke, Filzstiefeln und einem löchrigen, aber sauberen Kopftuch begrüßte uns an der Torflur. Hätte sie mich nicht gerufen, wäre ich einfach weitergegangen:
Halt, Mädel, ich bin Dorothea, die Mutter von Lukas. Schön, dich kennenzulernen. Sie zog mit ihrer faltigen Hand eine pelzige Handschuh aus ihrer Tasche und reichte ihn mir. Der Händedruck war fest, ihr Blick durch das Tuch scharf und durchdringend. Auf einem Pfad zwischen den Schneeverwehungen gingen wir zur Hütte aus verwitterten Holzbalken. Im Innern war es warm, das Feuer im roten Ofen knisterte.

Wunderbar! 80km von Chemnitz entfernt, und doch fühlte es sich an wie das Mittelalter. Wasser aus einem Brunnen, das WC nur ein Loch im Hof, kein Radio in jedem Haus, Halbdunkel in der Stube.

Mama, wollen wir das Licht anmachen? schlug Lukas vor. Meine Mutter blickte missbilligend:
Setz dich nicht vor das Licht, sonst brennst du dir die Zunge. Ihr Blick fiel auf mich, dann lächelte sie: Natürlich, mein Lieber, ich war schon dabei. Sie drehte die alte Glühbirne über dem Küchentisch. Ein schwaches Leuchten erhellte den Raum.

Hungrig? Ich habe Nudeln gekocht, kommt her und esst. Wir setzten uns, sahen uns an, während sie flüsterte: Worte rund, lieblich, aber wachsam. Es fühlte sich an, als ob sie meine Seele durchleuchte. Sie sah mich an, rührte um, schnitt Brot, schob Holz in den Ofen und murmelte:
Ich stelle den Kessel auf. Wir trinken Tee. Der kleine Kessel mit Deckel, ein Deckel mit Zapfen, ein Zapfen mit Loch, aus dem Dampf quillt. Der Tee ist nicht gewöhnlich, sondern mit Beeren. Ein Löffel Himbeermarmelade, sofort wärmend, vertreibt jede Erkältung. Und das Schlimme wird nie kommen.

Ich hatte das Gefühl, ich wäre in einem Film aus der Vorkriegszeit. Plötzlich würde der Regisseur rufen:
Drehen ist beendet. Danke an alle.

Von der Wärme, dem Essen und dem Himbeetee war ich ganz erschöpft, wollte mich für zwei Stunden ins Bett legen, doch dann kam das nächste Gebot:
Los, ihr Leutchen, geht in die Bäckerei, holt ein paar Kilo Mehl. Wir müssen Brötchen backen, heute Abend kommen Vroni und Gerd mit ihren Familien, Liesel aus Chemnitz will die zukünftige Schwiegertochter kennenlernen. Ich brate jetzt Kohl für die Füllung, koche Püree.

Während wir uns ankleiden ließ Dorothea einen Kohlkopf aus dem Schrank ziehen, schnippelte sie und sagte:
Der Kohl geht zum Schneiden, wir machen ein kleines Häppchen.

Wir gingen durchs Dorf, alle stoppten, grüßten, die Männer zogen die Mützen ab, verbeugten sich, sahen uns nach.

Die Bäckerei lag im Nachbardorf, hin und zurück durch den Wald. Tannen, Baumstümpfe mit weißen Mützen. Die Sonne spielte fröhlich auf den verschneiten Zweigen, auf dem Rückweg schien ein gelbliches Licht. Der Wintertag war kurz.

Zurück in der Hütte sagte Dorothea:
Mach dich ran, Liesel. Ich stampfe den Schnee, damit die Mäuse nicht an den Bäumen nageln. Lukas hilft mir, den Schnee zu verteilen.

Ein Tonnen Mehl, hätte ich nicht so viel kaufen sollen, doch Dorothea drängte weiter: Wie groß die Arbeit auch ist: fängst du erst an, bist du fertig. Der Anfang war hart, das Ende süß.

Allein mit dem Mehl, wusste ich nicht, was ich machen sollte, doch die Arbeit musste weitergehen. Ein Brötchen rund, das andere lang; das eine handflächengroß, das andere fast fingerlänglich. Bei dem einen viel Füllung, beim anderen kaum zu sehen. Das eine braun, das andere goldgelb. Oh, wie sehr ich mich abmühte! Später erklärte Lukas das Geheimnis: Der Test war, ob ich für den wertvollen Sohn heiraten darf.

Die Gäste scharen sich wie aus einem Fassungsrahmen: alle blond, blauäugig, lächelnd. Ich verstecke mich hinter Lukas, bin schüchtern.

Ein runder Tisch in der Mitte des Raumes, ich bekomme einen Ehrenplatz das Bett mit den Kindern. Das Bett ist fest, das Kopfkissen kaum höher als die Decke, die Kinder hüpfen, mir wird fast schwindelig. Lukas brachte eine Kiste, bedeckte sie mit einer Decke. Ich sitze wie eine Königin auf dem Thron, alle schauen zu mir.

Ich esse weder Kohl noch gebratene Zwiebeln, doch ich lache mit allen, dass meine Ohren fast platzen!

Es wurde dunkel. Die zukünftige Schwiegermutter hat ein schmales Bett neben dem Ofen, die anderen im Saal. Die Hütte ist eng, aber besser zusammen. Sie legt mich ins Bett ein Ehrengast. Aus einem geschnitzten Kommode, noch von Lukas Vater, holen sie eine gestärkte Bettwäsche, das Einschlafen wirkt schwer. Dorothea deckt zu und sagt:
Geh weiter, die Hütte heizt, doch der Herrin fehlt ein Platz zum Ausruhen! Die angehenden Verwandten liegen auf dem Boden, alte Matratzen vom Dachboden.

Ich muss zur Toilette. Breche aus dem Gefängnis der Bettdecken, tastete den Boden, um niemanden zu treten. Ich erreiche den Flur, es ist dunkel. Ein pelziges Wesen streicht an meinen Füßen. Ich erschrickte, dachte, es sei eine Ratte, und schrie! Alle lachten: Es ist nur ein Kätzchen, tagsüber herumstreunend, nachts heimgekommen.

Zur Toilette ging ich mit Lukas, doch die Tür war verschlossen, nur ein Vorhang. Lukas stand mit dem Rücken zu mir, entzündete ein Streichholz, damit ich nicht in die Notdurft falle.

Zurück im Bett, schlief ich ein: frische Luft, kein Autolärm das Dorf.

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Morgen zur zukünftigen Schwiegermutter fahren. Verheiratete Freundinnen haben mich so sehr beruhigt, dass ich fast um meinen Verstand gebracht wurde:
Better to Be a Beloved Wife Than a Perfect Daughter