Familiengeheimnis: Das perfekte Rezept für traditionellen Borschtsch.

Mamas Familien-Borschtsch

Ach, du hast dir ja wieder was einfallen lassen, Mama, die Gäste mit Borschtsch zu bewirten, schnüffelte Herr Klaus skeptisch, während er in der Küche stand. Der Duft von Tomatenbraten und letztem Jahr übrig gebliebenem Kraut lag schwer in der Luft als würden die Gäste aus den angesagtesten Schnellrestaurants Berlins kommen. Könntet ihr nicht etwas Interessanteres zaubern, als diesen alten Borschtsch? Pfui!

Es gibt noch Frikadellen, Salat mit Mayo, Pfannkuchen und alles, was so ein AufschnittBüffet braucht, donnerte Anneliese empört, während sie den Vorhang des Küchenvorbeibs zerriss. Und jetzt verschwinde, du alter Trottel, bevor ich dich mit der Suppenkelle verprügle. Moment, bleib doch kurz. Schalt den Topf in fünf Minuten aus, ich gehe kurz nach unten, sagte sie plötzlich und riss den Schürzenmantel ab.

Wohin denn?, fragte Klaus verwirrt, während er seine Hosenträger richtete und vorsichtig zur Ofenplatte hinübersah.

Zu den Besuchern! Sie kommen in zehn Minuten. Und ich hole noch Brot, jemand wird ja nicht satt.

Anneliese fixierte ihr Spiegelbild, die kurzen, leicht lockigen Haare standen nicht mehr ganz nach ihrem Geschmack. Früher war sie noch eine blühende Schönheit, doch jetzt fühlte sie sich eher wie ein ausgehärtetes Laib Brot, das langsam austrocknet.

Sie kommen doch nicht mehr klein, die werden selbst aufstehen, staunte Klaus.

Ach, hör auf, Peter, und dreh dich nicht im Kreis. Ich krieg das schon allein hin. Und vergiss nicht, den Topf auszuschalten und dich anzuziehen, du wanderst ja nur in Unterhosen herum, schnaufte Anneliese.

Warum bist du heute so mies drauf?, begann Klaus leicht beleidigt.

Keine Ahnung! Du verstehst das einfach nicht, mein Lieber. Und sie humpelte zur Treppe, die zur Wohnungstür führte.

Sie dachte bei sich: Immer wieder kommen diese jungen Frauen, die jeder sein eigenes Diät und LifestyleKultum nachgehen. Vegetarisch, LowCarb, zu salzig, zu fettig und das alles, ohne einen einzigen richtigen Esslöffel zu besitzen.

Die Straße begrüßte Anneliese mit einem frischen Maiwind, und sie atmete tief durch, bevor sie das silberne Auto ihres Sohnes bemerkte.

Ihr Sohn Peter, mittlerweile siebenunddreißig, hatte noch keinen festen Job, hängte nur in seinem HomeOffice rum und tüftelte an irgendwelchen Apps. Er braucht doch endlich eine Familie und ein Kind!, dachte Anneliese, während sie sich ein Bild von einem Enkelkind ausmalte. Alle meine Freundinnen haben schon Enkel, und ich? Ich bin immer noch allein im Garten!

Mama, brauchst du Hilfe? Wir kommen schon, rief Peter, als er aus dem Auto sprang und seine Freundin Polina neben sich stellte.

Guten Tag!, hieß es freundlich von Polina.

Oh! Hall hallo, stotterte Anneliese.

Endlich mal jemand, der ganz normal wirkt, ohne irgendwelche Macken, dachte sie erleichtert und lächelte breit. Vielleicht klappt es ja mit Polina. Sie erinnert mich ein bisschen an eine kräftige Bäuerin aus dem Münsterland, also gut.

Los, lass uns essen, sagte Peter, während er eine Tüte mit Getränken und ein Geschenk aus dem Kofferraum holte.

Ein Geschenk?, fragte Anneliese neugierig, und Polina strahlte erneut.

Ich engagiere mich für die Umwelt, also ein nachhaltiges Reinigungsset für deine Küche, erklärte Polina.

Mama, nimm das Paket bitte selbst, ich bring das schwere Kistchen, bat Peter, weil Polina nicht zu schwer heben sollte. Anneliese nahm das Paket wie ein Roboter, ohne den Inhalt zu prüfen.

Nach dem kurzen Begrüßungsritual setzten sie sich an den Tisch. Polina nahm ohne Furcht den Löffel und begann den Borschtsch zu probieren.

Ist das dein Job?, fragte Anneliese neugierig.

Ja, ich bin offiziell angestellt.

Siehst du, Peter? Du hast seit zehn Jahren keinen Arbeitsvertrag. Was, wenn du krank wirst? Und die Rente? Du bist ja schon siebenunddreißig.

Mama, ich sterbe nie vorher, keine Sorge.

Du glaubst das nur, bis du selbst dort sitzt und nur noch das Gesäß bewegst, antwortete Anneliese mit einem Augenzwinkern.

Bitte, lass mich in Ruhe, du ruinierst mir den Appetit. Papa, bring mir einen Pfannkuchen mit Käse.

Peter wollte gerade anstoßen, doch sein Vater schnappte plötzlich nach dem Wort und begann zu predigen.

Der Borschtsch ist köstlich, Anneliese, ich wagte mich nicht zu fragen, ob ich noch Nachschlag bekommen darf, sagte Polina, ich räume gern auf.

Die Frauen räumten das Geschirr in die Küche. Polina bemerkte die Unordnung und rief:

Da ist doch dein Geschenk! Fast vergessen!

Sie packte die umweltfreundlichen Reinigungsmittel aus und erklärte, dass sie vollständig biologisch abbaubar seien und aus Obst und Gemüse hergestellt würden.

Wollen wir gleich etwas ausprobieren?, flüsterte Polina verführerisch, während sie in die Kamera ihres Handys blickte.

Anneliese schützte die Herdplatte mit ihrem Rücken:

Nein, ich habe die Platte seit drei Tagen nicht mehr geputzt, das wäre zu peinlich.

Ach was, ich habe schon jede Art von Herd gesehen, seit ich auf dem Bauernhof aufgewachsen bin, lachte Polina, wir spritzen einfach drauf, ich mach danach nur noch mit dem Schwamm sauber.

Polina wischte geschickt das Geschirr, während Anneliese zwischen den Brotresten hin- und hersprang und immer wieder nach Polinas Herkunft, ihrer Ausbildung und den Eltern fragte. Alle Antworten waren ordentlich und befriedigend.

Polina schwang die Schwamme über die Herdplatte, und der Schmutz glitt mühelos davon.

Danke für das tolle Geschenk, Polina, das ist wirklich nützlich, gestand Anneliese.

Plötzlich klapperte ein Glas, und Peter rief alle wieder ins Wohnzimmer. Er umarmte Polina und legte liebevoll die Hand auf ihren Bauch.

Also, Mama, Papa Polina und ich haben beschlossen zu heiraten.

Ach du meine Güte!

Und das ist noch nicht alles, fuhr Peter fort und zwinkerte Polina zu, die sofort rot wurde, wir erwarten ein Kind, im Winter kommt unser Enkelchen.

Das ist ein Segen! Gott sei Dank, das habe ich gebetet!, rief Anneliese, die die Hände in die Luft warf. Himmelshoch!

Sie öffnete die Arme, um Polina zu umarmen, und hielt Peter zurück, der unruhig hin- und hergerutscht war.

Bitte sei vorsichtig, ich kenne mich besser aus mit schwangeren Frauen!

Polina flüsterte, leicht tränenerfüllt: Anneliese, könnten Sie mir ein paar Ihrer Rezepte verraten? Ich koche nicht so gut wie Sie, besonders keinen Borschtsch.

Ach Polina!, schrie Anneliese überglücklich, das war immer mein Traum: mein Wissen und meine unerschöpfliche Liebe an die Schwiegertochter weiterzugeben und an den Enkel!

So sieht meine kleine, bescheidene und dank deiner Hilfe nun endlich verwirklichte Traum aus!

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Das Ruf des Blutes war stärker