Omas geheimnisvolle Vorhersage

Eine alte Dame zog zu einer armen Bauernfamilie ins Dorf. Nicht gerade eine Verwandte, eher eine entfernte, beinahe fremde Verwandte und dazu noch blind und, verzeihen Sie, etwas verwirrt. Man könnte sagen, sie hatte den Verstand fast ganz verloren, aber das hielt die Familie nicht davon ab, sie aufzunehmen.

Sie lebten in einem kleinen Dorf irgendwo in der Lüneburger Heide, wo das Leben einfacher, aber die Taschen leerer war. Der Vater Heinrich, seine Frau Anna und ihre drei Kinder der Älteste Karl, die Zwillinge Liesel und Liselotte hatten bereits zwei Enkelkinder vom ältesten Sohn. Große Familie, grobe Manieren, nicht gerade gebildet, aber mit Gewissen. Statt die alte Frau in ein Pflegeheim zu geben, nahmen sie sie mit nach Hause, obwohl ihr Haus am anderen Ende des Dorfs lag und sie nicht mehr für sich selbst sorgen konnte.

Sie brachten ihr ein sauberes Leinengewand, banden ihr ein frisches Halstuch um, gaben ihr einen Löffel Suppe und legten sie auf das Bett. An der Wand hing ein kleiner Wandteppich mit Hirschgeweihen obwohl sie das gar nicht sehen konnte. So ging das Leben weiter: Es gab Krautsuppe, Kartoffelbrei, chinesische Nudeln und Tee mit Zucker. Sie halfen ihr zur Toilette, zogen sie um, wenn es nötig war, und hörten ihr wirres Geflüster, das sie immer mit einer hauchzarten Stimme von sich gab.

Eines Tages verkündete die alte Frau, die nun Frau Hilde Krause hieß, plötzlich: Ein Dieb ist in den Schuppen eingedrungen! Und tatsächlich, im Schuppen versteckte sich der betrunkene Nachbar Fritz, der heimlich Kartoffeln und Kraut stibitzte. Zufall? Nicht für die naiven Dorfbewohner.

Später warnte sie: Rolf soll nicht in die Stadt fahren! Das Auto wird zerstört! Der Sohn Rolf und sein Freund fuhren trotzdem. Der Freund verunglückte schwer, Rolf hätte beinahe das Leben verloren, wäre er nicht rechtzeitig ausgecheckt gewesen.

So ging es weiter, die alte Frau sprach wirres Zeug, das doch immer einen Funken Wahrheit trug, obwohl sie kaum sehen, hören oder sich selbst füttern konnte. Dann bat sie um ein Lottoschein. Ihr Vater Heinrich fuhr in die nächste Stadt, kaufte ein Los und Überraschung! sie gewannen ein kleines Vermögen, zwischen dreihundert und fünfhunderttausend Euro, je nach dem, wie vage sie es erzählten. Das genügte den einfachen Leuten, um zu sagen: Ein Haufen Geld!

Sie kauften ihr einen neuen Bademantel, Honigkekse, ein hübsches Tagesdecke und ein feines Halstuch. Auch wenn sie nicht sehen konnte, sah alles schön aus. Alle liebten sie, obwohl sie ständig wirr war, vieles vergaß und kaum mehr selbst essen oder zur Toilette gehen konnte. Trotzdem lächelte sie immer, saß da in ihrem neuen Gewand auf der hübschen Decke, drehte ein Rosenkranz und murmelte mit ihrer dünnen Stimme ein paar gut gemeinte Worte. Und dann schüttelte sie gelegentlich den Kopf, als würde sie die Welt neu ordnen.

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Omas geheimnisvolle Vorhersage
I Wanna Marry a Decent, Down-to-Earth Guy