Mein Mann hat mich verlassen. Als meine Schwiegermutter davon erfuhr, kam sie zu mir.

Mein Mann, Klaus, hat mich verlassen. Die Schwiegermutter, Gertrud, hat davon erfahren und ist zu mir gekommen. Klaus hatte unser Geld, das wir für eine Eigentumswohnung gespart hatten, mitgenommen und ist weggelaufen. Ich blieb allein in einer kleinen Mietwohnung in Berlin mit meiner halbjährigen Tochter Leni zurück. Gertrud trat in die Tür, sah mich erschöpft und sagte:

Pack deine Sachen, du kommst zu mir und wohnst mit Leni unter einem Dach.

Ich wollte ablehnen. Seit Jahren kämpften Gertrud und ich gegeneinander, immer mit scharfen Worten, selten mit einem freundlichen Ton. Doch als Klaus verschwand, war Gertrud die einzige, die zu mir sprach. Meine eigene Mutter meinte, in ihrem Haus habe ich keinen Platz. Meine ältere Schwester war ebenfalls dagegen, sie wohnt bei ihrer Mutter und wirft mir vor, dass meine Mutter ihr ganzes Leben lang wie ein wirrer Tanzschritt umhert.

Danke, murmelte ich leise. Es war das erste Mal, dass ich Gertrud tatsächlich dankte.

Ach, hör doch auf! Du bist hier nicht fremd, rief sie und hob die kleine Leni hoch. Komm, mein Schatz, lass Mama sich fertig machen, wir stören ihr nicht. Ziehst du mit Oma ein, Liebling? Natürlich, das macht doch Spaß. Oma wird dir Märchen erzählen, mit dir spazieren gehen und Zöpfe flechten

Ihr sanftes Lächeln ließ mich an meinen Ohren zweifeln. Immer wieder betonte sie, sie wolle keinen Kontakt zu meinem Bachort ein Wort, das ich nie verstanden hatte. Ich packte meine wenigen Klamotten und zog mit Leni zu Gertrud. Sie bereitete ein geräumiges Zimmer für uns vor, während sie selbst in ein winziges Zimmer einzog. Ich rieb mir die Augen, unfähig zu begreifen, doch Gertrud sagte:

Na, was? Das Kind braucht Platz, bald wird es krabbeln. Ich selbst brauche nicht viel Raum. Macht es euch gemütlich, das Abendessen ist in einer Stunde.

Sie schlug einen einfachen grünen Gemüseeintopf mit gekochtem Fleisch zum Abendessen vor und meinte:

Du bist stillende Mutter. Wenn du möchtest, kann ich etwas braten, aber das Gesunde ist besser für das Kleine. Das liegt ganz bei dir.

Im Kühlschrank standen Reihen von Gläsern mit Babybrei. Zeit für neue Geschmäcker, nicht wahr? Wenn Leni das nicht mag, kaufen wir etwas anderes. Sag einfach, was du willst, lächelte Gertrud.

Ein Schwall Tränen überkam mich. Ihre unerwartete Güte rührte mich bis ins Mark niemand hatte sich je so um mich und Leni gekümmert wie diese Frau, die ich einst als Erzfeindin galt. Sie zog mich an die Schulter und flüsterte:

Ruhe, meine Kleine, Ruhe. Männer sind sonderbar. Auch ich habe deinen Mann allein erzogen. Sein Vater ging, als er acht Monate alt war. Ich will nicht, dass meine Enkelin so aufwächst. Das reicht, du hast genug geweint, jetzt bist du stark genug!

Durch mein Schluchzen erklärte ich Gertrud, dass ich ihre Freundlichkeit nicht erwartet hatte, und dankte erneut:

Vielen Dank, ohne dich wüsste ich nicht, wo Leni und ich hingehen würden.

Ich bin schuld, dass ich deinen Mann so allein ließ, gestand sie. Jetzt rette ich, was ich kann. Komm, wasche dein Gesicht und leg dich hin. Morgen wird besser.

Wir feierten Leni’s erstes Geburtstag gemeinsam: ich, Leni und Gertrud unsere LieblingsOma und Schutzengel. Wir legten Leni zum Mittagsschlaf, tranken Tee und aßen Kuchen, als plötzlich die Türglocke läutete. Gertrud ging öffnen.

Mutter, das ist Monika, rief ein Junge und zeigte auf eine junge Frau. Monika, das ist meine Mama. Mama, dürfen wir hier bleiben? Ich kann die Miete nicht zahlen, ich habe keinen Job.

Als ich die Stimme meines Mannes hörte, erstarrte ich. Angst überkam mich, dass Gertrud sie hereinlassen und uns hinauswerfen würde. Tränen stiegen in meine Augen.

Verschwindet! Und nehmt eure Freundin mit! Ihr habt meine Frau und mein Kind betrogen und ohne einen Pfennig zurückgelassen. Das ist das, was das Leben euch zurückgibt. Geht jetzt! Und Monika, pass auf dich auf, er könnte dich auch verlassen.

Ich hatte mich so sehr geirrt. Gertrud wurde nicht nur zu einer zweiten Mutter, sondern zu meiner ersten. Wir lebten sechs Jahre unter einem Dach, bis ich erneut heiratete. Bei meiner Hochzeit nahm Gertrud den Platz der Mutter der Braut ein. Leni geht jetzt zur Schule, und unser jüngster Sohn wird bald geboren. Gertrud freut sich schon wie ein Kind auf das erste Lächeln ihres Enkels.

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Mein Mann hat mich verlassen. Als meine Schwiegermutter davon erfuhr, kam sie zu mir.
Судья остановил процесс в самый ответственный момент — и всё в зале замерло