Vertrauenskurse: Stärken Sie Ihre Beziehungen und Ihr Selbstbewusstsein!

7. Oktober

Heute öffnete ich vorsichtig die knarrende Tür des kleinen Kulturhauses in meinem Stadtteil. Der Geruch von Kreide und altem Putz lag in der Luft, während eine einsame Deckenleuchte schwach über uns hing und an den Fenstern ein dünner Film von Kondenswasser glänzte. Auf meinem Lehrerpult legte ich ein Bündel bunter Filzstifte hin und trat an die Wand, um den bescheidenen Raum zu überblicken, der in den Abendstunden zu meinem zweiten Zuhause geworden ist.

Tagsüber unterrichte ich Deutsch an der Abendschule, doch dreimal pro Woche bleibe ich freiwillig, um kostenlose Deutschkurse für erwachsene Migranten anzubieten. In den städtischen Aushängen finden sich keine Hinweise auf solche Kurse: Die Behörden behaupten, dass nach Quoten Unterricht angeboten wird, doch die Wartelisten reichen monatelang. Deshalb kommen Menschen aus der Türkei, Syrien und Polen zu mir meist über Bekannte oder Messenger.

Ich stand vor der Tafel und ließ die Namen jedes Teilnehmers durch mein Gedächtnis gehen: Ayşe, bei der sich die deutschen Fälle langsam, aber stetig einpendeln; Mehmet, der Fernfahrer mit den funkelnden Augen; der ältere Janusz, der ein abgenutztes Wörterbuch fest umklammert hielt. Sie kommen nach langen Schichten auf der Baustelle oder in der Bäckerei, treffen sich gegen sieben Uhr abends, wenn die Straßenlaternen bereits leuchten. Mein Rücken spannt, doch sobald das erste schüchterne Guten Abend die Stille durchbricht, verfliegt die Müdigkeit.

Jeder Lernende hat ein von mir genähtes Notizbuch. Das Papier schenkte mir die Bibliothekarin der Nachbarschaft, weil das Budget der Kurse aus purem Enthusiasmus besteht. Auf der ersten Seite klebten bunte Lesezeichen: Alphabet, Vokal und Konsonantenübersicht, Verben für Bewegungen. Ich erklärte die Regeln langsam und brachte lebendige Beispiele aus dem Alltag: den Preis im Supermarkt, die Buslinie, das Schild Rauchen verboten. Wir lachten, wenn jemand noch und schon verwechselte Lachen ist das Schmiermittel, ohne das die Sprache nicht fließt.

Mitte Oktober färbten sich die Blätter an den Fenstern in ein warmes Rot. Der Abendhimmel senkte sich tief, und über den Backsteinen des Dorfes zog ein kalter Rauch auf. In der zweiten Stunde schlug ich vor, ein kleines Rollenspiel Wir kaufen ein Zugticket zu spielen. Der sonst schweigsame Rashid nannte die Kassiererin Frau, und die Klasse jubelte über seine Höflichkeit. Jede neue Verbform wurde mit einem Häkchen und dem Datum festgehalten.

Als ich spät nach Hause fuhr, war die Straßenbahn bereits fast leer. Auf meinem Handy las ich die Nachrichten im KursChat: Danke, Frau Becker. Ich konnte dem Bauleiter erklären, dass ich einen freien Tag brauche. Solche Worte geben mir mehr Energie als jeder Kaffee.

Der Kurs wuchs, und bald fehlten Stühle. Der Hausmeister des Kulturhauses, ein grimmig wirkender älterer Mann, reichte mir zehn klappbare Hocker. Er murmelte, das sei ein Saal für Dorffeste, nicht für fremde Besucher, half aber dennoch beim Tragen. Ich überspannte die Peinlichkeit mit einem Lächeln und Dank. Sein Murren klang eher wie ein grummelnder Windhauch.

Gegen Ende Oktober ließ die Nachtwächterin einen zerknitterten Zettel auf meinem Tisch liegen: Genug von diesen Gastarbeitern. Es ist widerlich, abends an ihnen vorbeizugehen. Die Schrift war mit einer zerdrückten KugelschreiberKappe hinterlassen. Ich drückte das Blatt zusammen, zerreißte es jedoch nicht jemand, der solche Worte schrieb, hat offenbar tiefen Unmut gesät.

Zur gleichen Zeit stand eine Gruppe Jugendlicher am Eingang. Einer warf eine leere Plastikflasche die Treppe hinab und rief laut: Warum lässt ihr unsere Mütter ohne Arbeit und ihr gebt ihnen kostenlosen Unterricht? Seine Stimme zitterte, und er traute sich kaum, näher zu kommen. Ich antwortete ruhig, dass jeder die Chance suche, Deutsch zu sprechen, um ehrlich arbeiten zu können. Ich ging weiter, den Rücken gerade, doch ein kalter Kloß blieb in meinem Magen.

Im November lag Reif bis zum Mittag auf den Rasenflächen. Das Klassenzimmer wurde kühler, also brachte ich einen tragbaren Heizlüfter mit. Die Lernenden brachten Thermoskannen mit heißem Grüntee. Zu Beginn jeder Stunde verteilten sie die Tassen, gaben mir die erste Portion, und die Wärme der Tassen wärmte Hände und Gespräche.

In der vierten Unterrichtswoche kam der örtliche Polizist ins Kulturhaus, gerade während einer Pause, in der die Schüler gestern heute morgen wiederholten. Er stellte scharf: Auf welcher Grundlage seid ihr hier? Ich reichte ihm den Mietvertrag für den Saal, den ich aus meiner eigenen Tasche bezahlt hatte. Er prüfte den Stempel, schnaubte und ging, doch die Luft fühlte sich plötzlich schwerer an.

Nach diesem Besuch notierte die Nachtwächterin penibel die Passdaten aller Besucher. Männer verzögerten sich beim Passieren, kamen zu spät zum Unterricht, und die Atmosphäre spannte sich. Ich versuchte, mit einem Spiel Deutsche Zungenbrecher die Stimmung zu lockern, doch die Anspannung blieb hinter den Lächeln verborgen.

Die Teilnehmenden teilten ihre Schicksale. Ayşe klagte, dass ihr bei einer Anstellung als Verkäuferin ein Vorbereitungskurs berechnet wurde, den sie nach einer Woche wieder verlor. Janusz erhob auf dem Markt die Miete für seinen Stand, weil er nicht aus der Region sei. Diese Geschichten ließen meine Finger um die Filzstifte zittern, bis die Nägel weiß wurden. Die Sprache ist nur eine Front im Kampf, doch sie schenkt Menschen eine Stimme.

Der erste Frost erstarrte die Pfützen zu einer zerbrechlichen Folie. Der Abendwind pfeift durch den engen Hof des Kulturhauses, zwischen kahlen, schwarzen Ästen. Ich hängte ein neues KursProgramm an die Anschlagtafel. Während ich die Zettel befestigte, bemerkte ich in der Ferne eine Frau, die laut ins Telefon sprach: Was haben sie da vergessen? Wohin schaut die Verwaltung? Mir wurde klar, dass ihr Gespräch über mich ging.

Mit jeder Stunde wuchsen neue Zeichen des Unmuts. Auf dem Fensterbrett lag ein zerbrochenes Ei, das über den weißen Rahmen verteilt war. Ein Wachmann des Gebäudes schob ein: Hier kann man wegen eurer Gewürze kaum atmen. Ich bat ihn ins Flurzimmer, erklärte ruhig, dass Menschen den letzten Euro ausgeben, um die Sprache des Landes zu lernen, in dem sie arbeiten. Er zog die Augen weg, doch am nächsten Morgen warf er wieder einen misstrauischen Blick.

Trotz des Grolls wuchs die Gruppe. Zwei Brüder, die als Monteure arbeiteten, kamen mit einer Schneiderin als Freundin. Ich schob die Hocker enger zusammen, stellte den Tisch an die Wand und ließ mehr Platz für den Kreis. Wir diskutierten aktuelle Nachrichten, wählten kurze Meldungen ohne Politik, erklärten unbekannte Wörter. Die Lernenden lernten, auf Deutsch zu argumentieren und Respekt zu bewahren. Ich sah, wie ihre Schultern sich aufrichteten, sobald sie das passende Wort fanden.

Anfang Dezember, in der dunkelsten Nacht, hingen die Schneeflocken schwer wie Watte. Kurz vor Unterrichtsbeginn trug ich neue Karten zur Tafel, als die Eingangstür krachend aufschlug. Vier Männer stürmten herein, zwei in Arbeitsjacken, zwei in dicken Daunen. Ihre Gesichter gerötet von Kälte und Zorn.

Genug dieser Posse!, brüllte der Größte, stellte sich an den ersten Tisch und warf den Stuhl um. Unser Kulturhaus, unser Geld! Wir wollen keine Illegalen hier!

Ein Moment des Schocks lag in der Luft. Janusz setzte sich, senkte aber den Blick, weil er um meine Bitte gebeten war, keinen Streit zu beginnen. Ich trat in die Mitte, legte die Hand auf mein Herz und spürte das schnelle Hämmern. Es gab keinen Fluchtweg, keinen Rückzug.

Mit fester Stimme sagte ich: Der Raum ist offiziell gemietet. Wer hier die Ordnung stört, wird die Polizei rufen. Die Männer sahen einander an, wankten aber nicht zurück. Einer schob den Tisch, die Filzstifte flogen zu Boden. Ich zog mein Handy aus der Tasche, aktivierte die Lautsprecherfunktion und wählte die Nummer des Direktors des Kulturhauses.

Herr Schmidt, bitte kommen Sie sofort in den dritten Saal. Hier wird versucht, den Unterricht zu stören, sagte ich, als würde ich eine Klassenarbeit prüfen. Der Direktor hörte das Aufgeregte, versprach Wachpersonal zu schicken und selbst zu kommen.

Die Minuten zogen sich, bis Unterstützung eintraf. Die Männer stritten miteinander: einer wollte die Kurse schließen, ein anderer schlug einen anderen Weg vor. Ich stand vor der Tafel, ein Tisch stand wie ein schmaler Schild zwischen mir und den Lernenden. Ein Gedanke flackerte: Jetzt könnte alles enden die Kurse, das Vertrauen, die Sprache, die gerade erst begonnen hat zu klingen.

Der Direktor kam gemeinsam mit einem Wachmann. Der Stellvertreter stellte sich an die Tür und hielt die lauten Besucher zurück. Mit strengem Ton zitierte der Direktor die Hausordnung: Das Kulturhaus vermietet Räume an jeden Bürger mit Vertrag. Er betonte, dass freiwillige Kurse der Stadt nützen, weil ein gebildeter Arbeiter die Regeln besser einhält und sich leichter integriert. Die Worte klangen offiziell, für mich aber wie ein Schutzschild.

Nicht alle Widerständler ließen sich überzeugen, doch ihr Druck ließ nach. Die Männer verließen den Saal, hinterließen den Geruch von nassem Schnee und Nervosität. Die Türschritte verstummten, ich atmete tief durch, stellte den Stuhl zurück, sammelte die Filzstifte ein.

Die Lernenden saßen still. Ayşe fragte leise: Machen wir weiter? Ich nickte: Natürlich. Heute behandeln wir das Präteritum. Ich schrieb groß an die Tafel: Ich habe geschützt. Der Stift zitterte, doch die Buchstaben wurden gerade. Draußen wirbelte der erste entschlossene Schnee, und Rückzug war keine Option mehr.

Auf dem Heimweg lauschte ich dem knirschenden Klang des frischen Schnees unter meinen Schuhen und dachte über das Erlebte nach. Die Unterstützung des Direktors war spürbar, doch die Sorge blieb. Am Abend öffnete ich den GruppenChat und schrieb kurz: Danke, dass ihr geblieben seid. Wir machen weiter, wie gehabt.

Am nächsten Abend trat ich vor den örtlichen Gemeinderat und hielt eine kurze Rede. Ich erzählte von meinen Lernenden, davon, wie wichtig es sei, ihnen die Möglichkeit zu geben, Deutsch zu lernen und sich in die Gesellschaft zu integrieren. Einige Anwesende nickten zustimmend, betonten, dass Harmonie im Viertel nur durch gegenseitigen Respekt und Verständnis entstehen kann.

Nach und nach bildete sich ein Netzwerk aus Unterstützern. Ein ehemaliger Lehrer, jetzt Stadtrat, bot an, die Kurse rechtlich zu verankern, damit wir Unterschriften sammeln und offizielle Dokumente einreichen können.

Die Klasse wurde wärmer, dank einer neuen Schreibtischlampe und dem gespendeten Heizgerät. In der Mitte des Tisches stand eine Schachtel Kekse, die eine Lernende als Dankeschön gebracht hatte. Jede Stunde endete nicht nur mit Grammatik, sondern auch mit persönlichen Geschichten, die die Menschen zusammenführten.

Einige Wochen später organisierten wir in der örtlichen Bibliothek eine Fotoausstellung, die die Fortschritte meiner Lernenden zeigte Diktatblätter, Zeichnungen, Notizen. Die Anwohner kamen, sahen die Gesichter der Menschen, die neben ihnen lebten und lernten, ihr neues Leben zu bauen.

Die Haltung der Nachbarn änderte sich. Eine ältere Nachbarin sprach mich auf dem Bürgersteig an: Vielleicht haben Sie recht. Als mein Sohn aufs Studium ging, hatte ich Angst, dass ihn niemand versteht Ihre Worte waren ein Zeichen von Versöhnung.

Die Kurse wurden ein fester Bestandteil des Gemeindelebens. Das Kulturhaus war nicht mehr nur ein Ort zum Sprachunterricht hier trafen sich Menschen zu Abenden, diskutierten Alltagsprobleme und teilten kulturelle Traditionen. Der Abend in der Stadt bekam eine neue, freundliche Atmosphäre.

Ich weiß, ein einzelner Kampf beendet das Ganze nicht. Die bürokratischen Hürden und mögliche neue Schwierigkeiten liegen noch vor mir, doch ich habe jetzt viele Mitstreiter. Wenn ich die Lernenden anschaue, sehe ich nicht nur Studenten, sondern Freunde.

Die Sonnenstrahlen, die durch das Fenster tanzen, locken das weiße Schneekleid. Nach dem Unterricht blieb ich noch kurz sitzen, korrigierte Hefte, als Nazim zu mir kam, lächelte und ein selbstgemachtes Plakat überreichte: Offener Kurs für alle Interessierten. Dieses schlichte Schild wurde zum Symbol des Wandels.

Ich hängte das Plakat an die Tafel und sagte: Laden wir alle ein, die verstehen und verstanden werden wollen. Die Köpfe der Lernenden nickten, ihre Augen leuchteten vor Entschlossenheit.

Spät in der Nacht ging ich nach Hause. Der Mond schimmerte über den Schneehaufen, und ich spürte, dass noch viele Herausforderungen warten. Doch dies ist erst der Anfang für mich, für meine Schüler und für die ganze Gemeinschaft.

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